Forschung

Faule Eier wirken lebensverlängernd

Hydrogensulfid verlangsamt den Alterungsprozess, indem es die Zellen vor dem Zerfall schützt. Dabei wirkt es ähnlich wie Resveratrol, ein Antioxidant, welches in Rotwein enthalten ist – in naher Zukunft wird es Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel mit Hydrogensulfid geben.

Auf der Jagd nach neuen Methoden, wie man das Leben verlängern kann, sind Wissenschaftler nun bei faulen Eiern gelandet. Genauer gesagt, handelt es sich einem Bericht von Bloomberg zufolge um das Gas, das den verfaulten Eiern ihren unvergleichlichen Geruch verleiht.

Das Faulgas Hydrogensulfid ist zwar auch giftig und kann explosiv wirken, jedoch sind das nicht seine einzigen Eigenschaften. Forscher in China schwören auf positive Effekte im Herz-Kreislauf- sowie im Nervensystem des Menschen. So soll der Alterungsprozess verlangsamt werden. Die Zellen werden vor dem Zerfall geschützt, indem chemische Reaktionen im Zellinneren unterdrückt werden.

Wer hätte das gedacht: Faule Eier sind der Schlüssel zu einem längeren Leben. (Foto: Flickr/avpiedra)

Wer hätte das gedacht: Faule Eier sind der Schlüssel zu einem längeren Leben. (Foto: Flickr/avpiedra)

Das übel riechende Gas aktiviert dabei ein Langlebigkeitsgen. Dabei wirkt es ähnlich wie Resveratrol, ein Antioxidant, welches in Rotwein enthalten ist. Hydrogensulfid ist jedoch auch ein körpereigener Stoff, der, wenn er in konzentrierter Pillenform verfügbar gemacht werden kann, eines Tages lebensverlängernd wirken könnte. Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel dieser Art beträgt allein in den Vereinigten Staaten 28 Milliarden Dollar pro Jahr.

„Alle haben immer gedacht, Hydrogensulfid sei schädlich – eine Umweltverschmutzung, ein Gift“, sagte Mat Whiteman von der Universität Exeter in England. Das farb- und geruchlose Gas wurde kurz im Ersten Weltkrieg als chemische Waffe eingesetzt. „Aber seit der Entdeckung, dass das Gas in Säugetieren hergestellt wird, ist das Forschungsfeld explodiert.“

Aber unterhalb der toxischen Schwelle kann Hydrogensulfid freie Radikale neutralisieren, die die Zellen eines Organismus angreifen. „Die bislang gesammelten Daten lassen den Schluss zu, dass Hydrogensulfid das nächste starke Mittel werden kann, um Alterungsprozesse zu verhindern oder zu lindern“, ergänzt Jiang Zhisheng von der University of South China.

Die Menschen werden eines Tages Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, die stark mit Hydrogensulfid angereichert sind. Das Gas reguliert den Blutdruck, verbessert die Flexibilität der Venen und Arterien und erhöht die Homogenität des Blutflusses. Im Gegenzug kann die Reduktion von Hydrogensulfid bei Diabetikern aber zu Gefäßkrankheiten führen.

Dagegen besteht ein weiterer Vorteil des Faulgases darin, dass es das Enzym SIRT1 aktivieren kann. SIRT1 wird auch als „Schlankheitsgen“ bezeichnet. Es simuliert den Effekt eines Kalorienentzugs. „Es gibt gute Hinweise dafür, dass eine begrenzte Nahrungsaufnahme den Alterungsprozess hinauszögert, weil der Körper weniger freie Radikale generieren muss, die den Organismus belasten“, sagte John Rouse von der schottischen University of Dundee.

Das in Wein enthaltene Resveratrol eignet sich nicht für die Herstellung von Medikamenten. Wissenschaftliche Tests an 500.000 Molekülen haben jedoch ergeben, dass der mit dem Hydrogensulfid verwandte Stoff ebenfalls das SIRT1-Enzym aktiviert und somit die Lebensspanne bei Hefeorganismen, Würmern, Fliegen und Mäusen um 30 bis 70 Prozent erhöhen kann.

Die körpereigene Herstellung von Hydrogensulfid erfolgt durch Enzyme, die eine lange Zeit für den Prozess benötigen. Wissenschaftler versuchen derzeit, diesen Prozess im Reagenzglas zu kopieren. Bislang fehlt es aber noch an den richtigen Instrumenten. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat das Forschungsfeld jedoch bereits einen großen Schritt gemacht.

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