Versicherung

Nachfrage gering bei neuer Pflegezusatzversicherung

Die „Pflege-Bahr“-Versicherung läuft ähnlich schlecht an wie die Riester-Rente. Ein Vergleich der Anbieter lohnt sich, einige Krankenkassen zahlen im Fall eines Pflegeanspruchs höhere Beiträge für die Pflegestufen I oder II.

Der Staat hat mit der Einführung einer neuen geförderten Pflegeversicherung (GEPV) den negativen finanziellen Auswirkungen des demografischen Wandels zuvorkommen wollen. Angesichts einer alternden Gesellschaft und steigender Pflegekosten könnte eine flächendeckende Zusatzversicherung die Mehrkosten abfedern. Aber bislang findet die neue Pflegeversicherung nur wenig Anklang.

Im Januar blieb die Zahl der Abschlüsse noch unter 10.000. Weitaus weniger, als erwartet. Für FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr sind das nur Anlaufschwierigkeiten: „Auch bei der Riester-Rente dauerte es einige Zeit, bis die heutigen Zahlen erreicht wurden.“ Die Pflegevorsorge sei „ein langfristiges Projekt“,  sagte Bahr dem Spiegel.

Ein Vergleich lohnt sich: Unterschiedliche Anbieter bringen unterschiedliche Leistungen. (Grafik: www.pflege-bahr.com)

Ein Vergleich lohnt sich: Unterschiedliche Anbieter bringen unterschiedliche Leistungen. (Grafik: www.pflege-bahr.com)

An strukturelle Schwächen des Produktes glaubt Bahr nicht. Ein Vergleich der Anbieter und der Leistungen der gesetzlichen Pflegezusatzversicherung zeigt jedoch, dass die Qualität des Produktes von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich ist. Vor allem bei den unteren Pflegestufen reicht die Absicherung oft nicht aus.

Bei einem Rechenbeispiel der Internetseite www.pflege-bahr.com bezahlt ein 40-Jähriger Mann oder eine 40-Jährige Frau monatlich etwa 15 Euro bei der DKV oder der SDK. Wenn der oder die Versicherte die Leistungen des Anbieters für die Pflegestufen I oder II nun in Anspruch nimmt, erhält er oder sie zwei bis sechs Euro pro Tag: Für die Internetberatung von Richard Damme ist das ein „absolut ungenügender Schutz in den unteren Pflegestufen“. (siehe Grafik, roter Bereich)

Die Allianz, die Huk-Coburg und die Barmenia zahlen für die gleichen Pflegestufen und den gleichen monatlichen Beitrag fast doppelt so viel. Ein Vergleich lohnt sich also. Menschen, bei denen bestimmte Krankheiten bereits diagnostiziert wurden, haben keine Möglichkeit mehr, die Zusatzversicherung abzuschließen. Zu diesen „Ablehnungsdiagnosen“ zählen unter anderem Demenz, Hirntumor, Parkinson, MS, ALS, Schlaganfall, Huntington, HIV, akuter Krebs, Niereninsuffizienz, insulinpflichtiges Diabetes, Leberzirrhose und Osteoporose.

Interessenten wird daher empfohlen, nicht zu lange mit dem Versicherungsabschluss zu warten. Andere Erkrankungen können hingegen bei einigen Anbietern mitversichert werden. Dazu gehören Arthrose, Herzkrankheiten, Altersdiabetes Typ II, Hautkrebs, psychische Erkrankungen, Lähmungen, Amputationen, Nervenerkrankungen und Epilepsie.

Die neue Pflegezusatzversicherung wird seit Jahresbeginn von zwölf Versicherern angeboten. Bis Mitte des Jahres sollen es zwanzig Anbieter werden. Versicherte erhalten einen jährlichen Bonus von 60 Euro, wenn der Betrag für eine Pflegetagesgeldversicherung bei mindestens 120 Euro pro Jahr liegt. Außerdem muss der Vertrag eine spätere Leistung von 600 Euro monatlich erbringen und die Pflegestufe III abdecken.

Für diesen Zuschlag hat die Bundesregierung für das laufende Jahr 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das Geld reicht für 1,7 Millionen Abschlüsse der neuen Versicherung. Zu diesem Zeitpunkt werden nicht einmal zehn Prozent der staatlichen Förderung in Anspruch genommen.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *