Therapie

Baby soll von AIDS geheilt worden sein

US-Mediziner sollen das HI-Virus aus dem Körper eines infizierten Säuglings fast vollständig entfernt haben. Durch die frühe Behandlung sei die Erkrankung gestoppt worden, bevor das Virus schlafende Zellen bilden konnte.

US-Medizinern ist es nach eigenen Angaben gelungen, ein Baby zu heilen, das mit dem HI-Virus infiziert war. Die Virologen präsentierten den Fall auf einem Fachkongress in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Das HI-Virus sei nicht gänzlich aus dem Körper des Kindes verschwunden. Allerdings sei die Menge der Viren mittlerweile derart gering, dass das Immunsystem des Kindes sie selbstständig kontrollieren könne. Eine unterstützende Behandlung sei nicht mehr nötig. „Sie können diesen Fall, den wir gesehen haben, als nahe an einer Heilung, wenn nicht sogar als eine Heilung betrachten“, zitiert Die Welt Anthony Fauci, Immunologe des amerikanischen National Institute of Health (NIH).

Das HI-Virus war bei der Mutter des Kindes erst festgestellt worden, als diese bereits in den Wehen lag. Bereits 30 Stunden nach der Geburt begannen die Ärzte an der Universität von Mississippi beim Säugling mit der antiretroviralen Therapie – obwohl eine Infektion mit HIV noch nicht bestätigt worden war. Die frühe Behandlung habe die Erkrankung gestoppt, bevor das Virus schlafende Zellen bilden konnte, zitiert Die Welt Deborah Persaud vom Johns Hopkins Children’s Center. HI-Viren können sich in den Lymphknoten absetzten und dort als schlafende Zellen jahrelang inaktiv sein. Wird die Behandlung abgebrochen, weil im Blut keine aktiven Erreger mehr nachgewiesen werden, ist es möglich, dass die Viren wieder „aufwachen“ und sich ausbreiten.

Vor allem in afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist die HIV-Infektionsrate hoch. Hier hoffen knapp 23 Millionen HIV-Infizierte auf Heilung. (Foto: Flickr/Jonrawlinson)

Vor allem in afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist die HIV-Infektionsrate hoch. Hier hoffen knapp 23 Millionen HIV-Infizierte auf Heilung. (Foto: Flickr/Jonrawlinson)

Aus diesem Grund reagieren Experten skeptisch auf die Sensationsmeldung aus den USA. „Wir haben so viele Patienten beobachtet, die hochaktiv antiretroviral behandelt worden sind – auch Kinder – und eine Heilung haben wir nie gesehen“, sagt Bernhard Ruf, Aidsexperte vom Klinikum St. Georg in Leipzig in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Man dürfe nicht glauben, dass eine Therapie das Virus vollständig vernichten und ein Infizierter seine Medikamente irgendwann absetzten könnte. „Für mich ist immer noch Stand der Erkenntnis: Einmal HIV – immer HIV, einmal Behandlung – lebenslang Behandlung“, so Ruf.

Auch Norbert Vetter, Experte für die Immunschwächekrankheit am Wiener Otto-Wagner-Spital, will noch nicht von einer Heilung sprechen. „Die Nachbeobachtungszeit ist viel zu kurz, es kann erst die Zukunft zeigen, ob es wirklich gelungen ist, die Viren so zu beeinträchtigen, dass sie nicht wieder auftreten“, sagte der Primararzt der österreichischen Zeitung Der Standard.

Derzeit sterben weltweit jährlich rund 1,7 Millionen Menschen an Aids und den Folgeerkrankungen. Neuinfektionen mit dem HI-Virus sind innerhalb eines Jahrzehnts um 19 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Aids-Toten ist seit dem Jahr 2005 um 26 Prozent gesunken, auch wegen besserer Behandlungsmethoden. HIV-Infizierte müssen sich lebenslang der antiretroviralen Therapie (ART) unterziehen. Im Idealfall nimmt die Anzahl der Viren im Körper dermaßen ab, dass HIV praktisch nicht mehr nachweisbar ist. In Entwicklungsländern, vor allem in afrikanischen Regionen südlich der Sahara, ist die HIV-Infektionsrate jedoch immer noch hoch. Knapp 23 Millionen Menschen sind in diesem Gebiet mit HIV infiziert.

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