Innovation

Herzgewebe wird aus unbefruchteten Eizellen gezüchtet

Deutsche Forscher züchteten aus Stammzellen Herzgewebe. Das Verfahren wurde nun erstmals an Mäusen getestet. Bald sollen klinische Studien am Menschen stattfinden. Insbesondere für Patienten mit einer Herzmuskelschwäche oder anderen lebensbedrohllichen Krankheiten sei die Therapie interessant.

Stammzellen, das medizinische Allheilmittel? Wissenschaft und Medizin erwarten sich jedenfalls viel von den angeblichen Alleskönnern. Einem Forscherteam aus Göttingen ist es nun gelungen, aus Stammzellen Herzgewebe zu züchten. Die Stammzellen wurden aus unbefruchteten Eizellen hergestellt. Diese parthenogenetischen Stammzellen (PS-Zellen) wurden im Experiment mit Mäusen gewonnen. Das daraus entstandene Herzgewebe lässt sich bei den Tieren therapeutisch zur Reparatur von Herzinfarkten einsetzen. Unbefruchtete Eizellen können „ein vielversprechendes Ausgangsmaterial für die gewebezüchtungsbasierte Behandlung von Herzmuskelschwäche nach Myokardinfarkt sein“, sagt Wolfram-Hubertus Zimmermann, Senior-Autor der Studie.

Forscher hoffen, dass aus Stammzellen gezüchtetes Gewebe in Zukunft auch bei herzkranken Menschen eingesetzt werden kann. (Foto: Wikimedia/National Cancer Institute)

Forscher hoffen, dass aus Stammzellen gezüchtetes Gewebe in Zukunft auch bei herzkranken Menschen eingesetzt werden kann. (Foto: Wikimedia/National Cancer Institute)

Die PS-Zellen sind immunologisch „einfacher gestrickt“ als andere Stammzellen. Das sei ein großer Vorteil. „Mit künstlichem Herzgewebe aus parthenogenetischen Stammzellen kommt es zu keinen oder besser kontrollierbaren Abstoßungsreaktionen“, erklärt Michael Didié, Erst-Autor der Stammzellstudie. Das gelte sogar für Implantationen in nicht verwandte Empfänger.

Ob sich das Verfahren von der Maus auf den Menschen übertragen lässt, müssten Folgeuntersuchungen klären. Zusätzliche Eizellenspenden sind für die Forscher jedenfalls nicht notwendig. Allein in Deutschland werden jährlich rund 60.000 unbefruchtete Eizellen verworfen, weil sie für eine künstliche Befruchtung nicht geeignet sind. Darauf greift das Forscherteam aus Göttingen zurück.

Der Weg zur klinischen Anwendung der Stammzellen beim Menschen sei noch weit. Doch Zimmermann ist zuversichtlich. „Die zellbasierte Gewebereparatur bietet eine spannende Perspektive.“ Nicht nur für Patienten mit Herzmuskelschwäche, „sondern vermutlich auch für die Behandlung von Patienten mit anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen“.

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