Deutschland

Lieferengpässe bei lebenswichtigen Arzneien

Vor allem Generika könnten an deutschen Kliniken knapp werden. Die Krebstherapie steht vor einem ernsten Problem. Während Ärzte und Kliniken ein Risikomanagement sowie Frühwarnungen fordern, betrachtet die pharmazeutische Industrie diese Forderungen kritisch.

Die Kliniken in Deutschland klagen über massive Lieferengpässe bei lebenswichtigen Arzneien. „Diese Engpässe haben wirklich erschreckende Ausmaße angenommen“, zitiert die Ärztezeitung den Onkologen Gerhard Ehninger. In den vergangenen zwölf Monaten sei bei sechs verschiedenen Medikamenten die Lieferung ausgefallen. Betroffen sei vor allem die Krebstherapie. „Viele Krebserkrankungen sind wirklich Notfälle, die intensiv und sofort behandelt werden müssen“, sagt Ehninger.

Wolf-Dieter Ludwig, Onkologe am Helios-Klinikum in Berlin, verdeutlicht das Problem mit den Lieferengpässen am Beispiel von Mechlorethamin, das in der Krebstherapie bei Kindern zum Einsatz kommt. Wenn dieses Medikament fehle, könnten Ärzte zwar alternativ Cyclophosphamid einsetzen. Doch hier liege die Zwei-Jahres-Überlebensrate mit 60 Prozent deutlich niedriger als bei Mechlorethamin mit 85 Prozent, zitiert die Ärztezeitung den Onkologen.

Krebserkrankungen sind oft Notfälle. Engpässe bei den nötigen Medikamenten verunsichern die Patienten. (Foto: Flickr/TipsTimes)

Krebserkrankungen sind oft Notfälle. Engpässe bei den nötigen Medikamenten verunsichern die Patienten. (Foto: Flickr/TipsTimes)

Bislang habe noch kein Patient einen Nachteil erlitten, meint Torsten Hoppe-Tichy vom Bundesverband der Krankenhausapotheker. Das liege auch daran, dass die Dokumentation und Transparenz von Engpässen derzeit dürftig sei, sagte er der Ärztezeitung. Krankenhausapotheker, Ärzte und die Kliniken fordern ein Risikomanagement – vor allem ein transparentes Meldesystem, Frühwarnungen, ein Register für Engpässe bei den Arzneibehörden und die Erhöhung der Lagervorräte.

Die pharmazeutische Industrie beurteilt diese Forderungen kritisch. Frühwarnungen über erwartete Lieferausfälle könnten zu Hamsterkäufen führen und somit die Knappheit noch verschärfen. Zudem würden die wahren Ursachen durch ein Risikomanagement nicht bekämpft.

Die Ursachen der Engpässe bei Arzneien liegen zum einen in den komplexen und störanfälligen Herstellungsvorgängen. Verunreinigungen etwa können dazu führen, dass ganze Chargen verworfen werden müssen. Zum anderen gibt es ökonomische Ursachen für die Engpässe. Die steigende weltweite Arbeitsteilung und die Konzentration auf immer weniger Anbieter spielen eine wesentliche Rolle. Auffällig ist zudem, dass ausschließlich Generika betroffen sind. Sobald nämlich das Patent einer Arznei abgelaufen ist, beginnt ein harter Preiskampf, sodass die Gewinnmargen sehr gering sind.

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