Analyse

Rekordzahl von Fehltagen wegen Depressionen

Innerhalb der letzten 15 Jahre hat sich die Zahl der durch psychische Erkrankungen ausgelösten Fehltage bei erwerbstätigen DAK-Versicherten mehr als verdoppelt. Psychische Störungen seien zwar seit Jahrzehnten gleich verbreitet, jedoch habe sich das Bewusstsein gegenüber solcher Erkankungen geändert.

Zwischen 1997 und 2012 hat sich die Zahl der durch psychische Erkrankungen ausgelösten Fehltage bei erwerbstätigen DAK-Versicherten mehr als verdoppelt. Im Jahr 1997 meldete sich nur circa jeder 50. Erwerbstätige wegen Depressionen, Anpassungsstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen krank. Doch 2012 war es bereits jeder 22. Erwerbstätige, zitiert das Ärzteblatt den Gesundheitsreport 2013 der Krankenkasse. Im Gesundheitswesen und in der öffentlichen Verwaltung gab es besonders viele Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen.

Studien belegen, dass psychische Störungen in der Bevölkerung seit Jahrzehnten nahezu gleich verbreitet sind. Die DAK erklärt die massive Zunahme der Fehltage ihrer Versicherten durch einen Bewusstseinswandel. „Das Bewusstsein und die Sensibilität von Ärzten und Patienten psychischen Erkrankungen gegenüber haben sich deutlich verändert“, zitiert das Ärzteblatt Herbert Rebscher, den Vorsitzenden der DAK.

Bei der DAK-Untersuchung, für die mehr als 3.090 Erwerbstätige befragt wurden, stellte sich heraus, dass Depressionen mit 85 Fehltagen pro 100 Arbeitnehmer die größte Rolle spielen. Das sind mehr als achtmal so viele Fälle wie beim in den Medien viel beachteten Burnout mit nur 10 Fehltagen pro 100 Arbeitnehmer. Die in der Studie befragten Ärzte sehen den Begriff Burnout zudem eher skeptisch, bewerteten es aber als positiv, dass die öffentliche Diskussion vielen Patienten geholfen habe, psychische Probleme anzusprechen.

Als Ursachen für die Zunahme der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen nannten die Mediziner Arbeitsverdichtung, Konkurrenzdruck und lange Arbeitszeiten. Und prekäre und kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse verschärften die psychischen Belastungen noch, sagten die Ärzte. Zudem hätten die circa 8 Prozent der ständig erreichbaren Mitarbeiter ein deutlich höheres Gesundheitsrisiko. Jeder Vierte von ihnen leide unter einer Depression. „Für diese kleine Gruppe hat der Wegfall der Grenze zwischen Beruf und Privatleben einen hohen Preis“, sagt der DAK-Vorsitzende Rebscher.

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