Studie

Gängige Krankheiten werden von Hausärzten oft übersehen

Wenn Ärzte Krankheiten nicht rechtzeitig erkennen, landen Patienten meist im Krankenhaus – Patienten berichten selten über Symptome, die zur richtigen Diagnose führen. Laut einer Studie übersahen Ärzte am häufigsten Lungenentzündungen, Nierenversagen oder Krebserkrankungen.

Wenn ein Patient trotz vorherigem Besuch beim Hausarzt in ein Krankenhaus muss, kann es sein, dass der Arzt etwas übersehen hat. Eine Studie vom Veterans Affairs Medical Center in Houston zeigte, dass in knapp zwei Drittel solcher Fälle Ärzte tatsächlich eine falsche Diagnose ausstellten. 190 sogenannte Trigger-Ereignisse zweier Kliniken wurden von zwei Experten untersucht. In 68 Fällen hätten die Ärzte vor der Einlieferung ins Krankenhaus gute Möglichkeiten gehabt, die richtige Erkrankung zu identifizieren. Überraschenderweise handelte es sich bei den nicht erkannten Krankheiten um eigentlich häufige Diagnosen. Neben Lungenentzündung und akutem Nierenversagen übersahen die Ärzte am häufigsten Harnwegsinfekte, dekompensierte Herzinsuffizienz und Krebserkrankungen.

Ärzte übersehen oft gängige Erkrankungen, weil sie bei der Diagnose nicht breit genug aufgestellt sind.

Ärzte übersehen oft gängige Erkrankungen, weil sie bei der Diagnose nicht breit genug aufgestellt sind.

Die Hausärzte lagen oftmals falsch, weil ihre Diagnose nicht ausdifferenziert war. Patienten berichten selten von Symptomen, die sofort zur richtigen Diagnose führen. Husten, Bauchschmerzen oder Atemnot kommen oft vor, können aber auf eine Vielzahl von Krankheiten hindeuten. Deswegen sollten Ärzte zunächst von einem breiten Ursachenspektrum ausgehen und die Diagnose mit Anamnese, körperlichen Untersuchungen und klinischen Tests eingrenzen.

Ein Drittel der Patienten in der Studie berichtete von Beschwerden, die keine Symptome der übersehenen Erkrankung waren. Umso wichtiger ist es, dass Ärzte beim Erstkontakt möglichst viele Diagnosen in Betracht ziehen.

Der Studie zufolge hatten die behandelnden Ärzte bei fast 80 Prozent der Fehldiagnosen auf ausdifferenzierte Überlegungen bei der Diagnose verzichtet. Nur selten lag es an einer Fehlinterpretation von Testergebnissen oder einer fehlerhaften Schilderung der Beschwerden durch den Patienten.

Verpasste Diagnosen gehörten weniger in die Kategorie „Irren ist menschlich“, schreibt David Newman-Toker, Professor für Neurologie und HNO-Heilkunde an der Johns Hopkins University, in einem Kommentar. Vielmehr zeige sich hier, dass medizinische Diagnosen aufgrund ihrer Komplexität zu den schwierigsten Aufgaben für den menschlichen Verstand gehören.

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