Forschung

HIV-Prävention scheitert in Afrika

In Afrika wurde eine große HIV-Studie abgebrochen, weil die Frauen sich nicht an die Einnahme der Medikamente hielten. Vor allem die Teilnehmerinnen unter 25 Jahren konnten die Wissenschaftler nicht von der Notwendigkeit einer Prävention überzeugen.

Die großangelegte VOICE-Studie zur Prophylaxe gegen HIV-Infektionen in Afrika ist nicht an der Wirkungslosigkeit der Medikamente, sondern an der schlechten Mitarbeit der jungen Frauen gescheitert. Diese unterschätzten ihr persönliches Infektionsrisiko grob, zitiert das Ärzteblatt aus den Abschlussergebnissen der Studie.

In den letzten Jahren hatten mehrere Studien gezeigt, dass eine Prophylaxe mit antiretroviralen Medikamenten erfolgreich sein kann. In der TDF2-Studie in Botswana hatte das Medikament Truvada, eine Kombination aus Emtricitabin und Tenofovir, das Infektionsrisiko junger Heterosexueller um 63 Prozent gesenkt. In der iPrEx-Studie in Lateinamerika, Südafrika und Thailand konnte das Infektionsrisiko um 44 Prozent gesenkt werden.

Die jungen Frauen in Südafrika, Uganda, Sambia und Zimbabwe hielten sich nicht an die Anweisungen der Forscher. (Foto: Flickr/Ullisan)

Die jungen Frauen in Südafrika, Uganda, Sambia und Zimbabwe hielten sich nicht an die Anweisungen der Forscher. (Foto: Flickr/Ullisan)

Doch es gab immer wieder auch Rückschläge. Die FEM-PrEP-Studie musste 2011 wegen Erfolglosigkeit abgebrochen werden, weil das Medikament Truvada die Frauen aus Kenia, Südafrika und Tansania nicht besser vor einer Ansteckung schützte als ein Placebo.

Im selben Jahr wurden auch zwei Strategien innerhalb der VOICE-Studie abgebrochen. Nach der einen Strategie sollten sich junge Frauen aus dem südlichen Afrika durch die Einnahme von oralem Tenofovir schützen. Nach der anderen Strategie wurde ein tenofovirhaltiges Vaginalgel ausgegeben.

Nun wurde bekannt, dass auch die dritte Strategie der VOICE-Studie, die Einnahme von Truvada, das Infektionsrisiko nicht gesenkt hat. Schon bei der erfolglosen FEM-PrEP-Studie war vermutet worden, dass eine geringe Adhärenz für das Scheitern verantwortlich war. Nun lieferte die VOICE-Studie hierfür den Beweis.

Zwar hatte man den Studienteilnehmerinnen aus Uganda, Südafrika, Sambia und Simbabwe genau erklärt, wie wichtig die regelmäßige Einnahme der Tabletten beziehungsweise die korrekte Anwendung des Gels ist. Doch die meisten jungen Frauen hielten sich nicht an die Anweisungen.

Blutuntersuchungen zeigen, dass die Teilnehmerinnen bei allen drei Strategien im Rahmen der VOICE-Studie für den Misserfolg verantwortlich sind. Nur 28 Prozent der Teilnehmerinnen nahmen das Medikament Tenofovir ein, nur 29 Prozent nahmen Truvada zu sich, und nur bei 23 Prozent der Frauen, die das Tenofovir-Gel anwenden sollten, konnte tatsächlich Tenofovir im Blut nachgewiesen werden.

Die Autoren führen die mangelhafte Mitarbeit der Teilnehmerinnen auf die Zusammensetzung der Studie zurück. An den erfolgreichen Studien hatten heterosexuelle Paare oder homosexuelle Männer teilgenommen. An den beiden gescheiterten Studien hingegen nahmen vor allem jüngere, meist alleinstehende Frauen teil. In der VOICE-Studie waren 80 Prozent der Frauen Single.

Vor allem die alleinstehenden Frauen unter 25 Jahren konnten die Wissenschaftler nicht von der Notwendigkeit einer Prävention überzeugen. Viele Frauen meinten offenbar, dass es sie nicht treffen könne. Zudem gelang es den jungen Frauen nicht, ihre Partner zur Verwendung von Kondomen zu bewegen, die im Rahmen der Studie an alle Frauen kostenlos ausgegeben wurden.

Daher infizierten sich im Verlauf der Studie überraschend viele der Frauen mit HIV. Von den 5.029 Teilnehmerinnen steckten sich 312 mit HIV an.

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