Japan

Immense gesundheitliche Folgen von Fukushima

Der Reaktorunfall vor zwei Jahren hat zu einer höheren Kindersterblichkeit und mehr Schilddrüsenerkrankungen geführt. Einige Wissenschaftler rechnen in den folgenden Jahren mit bis zu etwa 41.000 Krebserkrankungen.

Die gesundheitlichen Folgen des Reaktorunfalls in Fukushima sind für die japanische Bevölkerung enorm. „Erste gesundheitliche Folgen der Atomkatastrophe sind jetzt schon, nach nur zwei Jahren, wissenschaftlich nachweisbar“, zitiert das Ärzteblatt einen Bericht der Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW).

So sei die Zahl der Veränderungen der Schilddrüse bei Kindern und Jugendlichen deutlich gestiegen. Im Februar 2013 wurde in der Präfektur Fukushima festgestellt, dass mehr als 40 Prozent der bis 18-Jährigen Schilddrüsenveränderungen, vor allem Zysten, aufweisen. Eine Studie in Nagasaki aus der Zeit vor dem Atomreaktorunfall zeigte hingegen nur bei 0,8 Prozent der untersuchten Kinder eine Schilddrüsenzyste.

Nur zwei Jahre nach der Katastrophe muss festgestellt werden, dass das Risiko schwerer Erkrankungen bei Kindern deutlich gestiegen ist. (Foto: Flickr/MShades)

Nur zwei Jahre nach der Katastrophe muss festgestellt werden, dass das Risiko schwerer Erkrankungen bei Kindern deutlich gestiegen ist. (Foto: Flickr/MShades)

„Im Gegensatz zu Schilddrüsenzysten und -knoten bei Erwachsenen müssen diese bei Kindern als Krebsvorstufen gelten“, so die IPPNW. Davon seien allein in der Präfektur Fukushima 55.592 Kinder betroffen.

Zudem gebe es in Fukushima eine erhöhte Säuglingssterblichkeit. 75 Kinder unter einem Jahr sind im zweiten und neunten Monat nach dem Unfall zusätzlich – das heißt mehr als statistisch erwartet – gestorben. Ähnliche Auswirkungen auf die Säuglingssterblichkeit hatte man auch bei der Katastrophe in Tschernobyl beobachtet
Zudem ist die Geburtenrate in Japan neun Monate nach dem Unglück um 4,7 Prozent gesunken, was mehr als 4.300 Kinder weniger bedeutet. In der Präfektur Fukushima gingen die Geburten sogar um 15 Prozent zurück.

Zur Abschätzung der langfristigen Folgen der Katastrophe berechnete die IPPNW die Zahl der zu erwartenden Krebserkrankungen. Danach muss mit bis zu 41.000 Krebserkrankungen durch die zusätzliche Strahlenbelastung gerechnet werden, und mit noch mal gut 18.000 weiteren Erkrankungen, die durch die Aufnahme von radioaktiven Stoffen mit der Nahrung ausgelöst werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte das Krebsrisiko infolge von Fukushima als nur geringfügig erhöht ein. Doch die IPPNW zweifelt an dieser Einschätzung. „Die Bewertung der Gesundheitsrisiken der WHO in Verbindung mit der Atomkatastrophe von Fukushima liefert keine wissenschaftlich objektiven oder zuverlässigen Daten, die von Ärzten und Entscheidungsträgern für zukünftige Empfehlungen genutzt werden könnten.“

Die WHO habe in ihrem Bericht die freigewordene Menge radioaktiver Partikel zu gering bemessen, so der IPPNW-Bericht. Auch habe die WHO nur sehr wenige Nahrungsmittelproben genommen, sodass die Strahlenbelastung durch Nahrungsaufnahme nicht korrekt berechnet werden konnte. Zudem hätten die Autoren der WHO in einem Interessenkonflikt gestanden, da einer der Wissenschaftler viele Jahre für die Atomindustrie tätig gewesen sei, so die IPPNW.

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