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Patentstreit: Bayer fürchtet um Gewinnmargen in Indien

Das Patentrecht in Indien hält die Preise für neue Medikamente niedrig. Bayer gehen dadurch Gewinne verloren. Der Konzern möchte jetzt beim obersten Gericht in Mumbai Einspruch einlegen, um seine Patente besser zu schützen.

Der Pharmakonzern Bayer hat einen Patentstreit für die Lizenzierung eines Krebsmedikamentes verloren. Der oberste indische Patentprüfungsausschuss (IPAB) hat am Montag entschieden, dass die Erteilung einer Zwangslizenz an indische Pharmahersteller rechtens ist. Diese können dank dieser Lizenz die von Bayer entwickelten Medikamente zu einem Bruchteil des Originalpreises herstellen und vertreiben. Bayer droht dadurch ein Verlust in Milliardenhöhe.

„Patente machen lebenswichtige Medikamente für Patienten in armen Ländern oft unbezahlbar, während die Konkurrenz durch Generikahersteller schnell und nachhaltig für deutlich niedrigere Preise sorgt“, sagte Oliver Moldenhauer von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Durch Generika sinkt der Preis des Krebsmedikamentes Nexavar nun um 97 Prozent, verglichen mit dem Preis, den Bayer dafür verlangt. Der Pharmariese rechtfertigt den Preis des Medikamentes mit den hohen Entwicklungskosten, die in Zusammenhang mit der Herstellung neuer Produkte anfallen.

Zwangslizenzen machen in Indien den Weg für günstigere Medikamente frei. (Foto: Flickr/Prayudi Hartono)

Zwangslizenzen machen in Indien den Weg für günstigere Medikamente frei. (Foto: Flickr/Prayudi Hartono)

Bayer will gegen die Entscheidung in Indien beim obersten Gericht in Mumbai Einspruch einlegen: „Wir stimmen den Schlussfolgerungen des IPAB nicht zu und werden weiter versuchen, unser Patent zu schützen“, sagte eine Bayer-Sprecherin dem Deutschen Ärzteblatt. Sollte die Entscheidung für Zwangslizenzen auch in anderen Ländern Schule machen, sind die Folgen für Bayer kaum abzuschätzen. Dann könnten nämlich nicht nur Krebs-, sondern auch HIV- und Aidswirkstoffe zu einem Bruchteil des ursprünglichen Preises produziert werden.

Im Falle des Krebsmedikamentes in Indien wurde die Lizenz für den Generikahersteller Natco auf acht Jahre ausgestellt. So lange darf Natco das Bayer-Medikament mit dem Wirkstoff Sorafenib Tosylate kopieren und in Indien vertreiben. Von dem Erlös muss er lediglich eine Lizenzgebühr in Höhe von sieben Prozent an Bayer abführen. „Die Entscheidung stärkt Zwangslizenzen als wichtiges Instrument zum Schutz der öffentlichen Gesundheit“, so Moldenhauer. Die Pharmakonzerne sehen durch die Schwächung des internationalen Patentsystems dagegen die pharmazeutische Forschung in Gefahr.

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