Studie

Alkohol und Autofahren: Europäische Frauen leben länger

Männer haben eine geringere Lebenserwartung als Frauen. Das liegt unter anderem an ihrem ungesünderen Lebensstil. Bei Menschen, die ein höheres Einkommen haben, ist die Diskrepanz zwischen den Geschlechtern niedrig.

Europäische Frauen leben durchschnittlich 7,5 Jahre länger als Männer. Zu diesem Ergebnis kommt der Gesundheitsbericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für 2012. Der Bericht betrachtet 900 Millionen Menschen in allen europäischen Ländern. Frauen haben demnach eine durchschnittliche Lebenserwartung von 80 Jahren, Männer hingegen von nur 72,5 Jahren.

Die Europäer liegen im internationalen Vergleich in Sachen Gesundheit weit vorne. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Diese Unterschiede sind bei Männern besonders groß. 17 Jahre trennen die europäischen Nationen mit der höchsten und niedrigsten Lebenserwartung. Bei Frauen sind es nur zwölf Jahre.

Männer sind aufgrund ihres Lebenswandels anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes. (Foto: Flickr/bentza)

Männer sind aufgrund ihres Lebenswandels anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes. (Foto: Flickr/bentza)

Die Unterschiede hängen auch mit den unterschiedlichen Einkommen zusammen. „Die Kluft zwischen weiblicher und männlicher Lebenserwartung ist in der Gruppe mit hohem Einkommen sehr gering. Bei den Gruppen mit niedrigem Einkommen ist sie viel größer“, sagte Ian Banks vom European Men’s Health Forum (EMHF) den Deutschen Gesundheits Nachrichten. „Diese Gruppen mit niedrigem Einkommen haben eine höhere Risikobereitschaft vor allem bei Alkoholkonsum, Ernährung, Auto fahren, Gewalt, sexueller Aktivität oder Rauchen“, so Banks. Das alles führe zu einer geringeren Lebenserwartung.

Das EMHF veröffentlicht jährlich einen Bericht zur Männergesundheit in Europa. Die letzte Ausgabe aus dem Jahr 2011 besagt, dass Menschen in ärmeren Verhältnissen ungesünder essen, sich weniger bewegen, mehr Alkohol konsumieren und mit höherer Wahrscheinlichkeit rauchen oder Drogen konsumieren.

Laut WHO sind die häufigsten Todesursachen in Europa nicht-übertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gefolgt von Krebs und Diabetes. Ungesunde Ernährung und wenig Bewegung gehören zu den häufigsten Verursachern dieser Erkrankungen. „Die Ernährung von Männern ist allgemein weniger gesund und nahrhaft als die von Frauen“, so der Gesundheitsbericht des EMHF.

Tabak- und Alkoholkonsum stellen aber das größte Gesundheitsrisiko dar. Laut WHO verursacht Alkohol 6,5 Prozent aller Todesfälle in Europa. Mit durchschnittlichen 10,6 Litern reinen Alkohols pro Person trinken die Europäer weltweit am meisten. Vor allem die Deutschen trinken mit 12 Litern pro Jahr überdurchschnittlich viel Alkohol. Auch das führe bei Männern zu der geringeren Lebenserwartung. „Männer trinken eher als Frauen und das in schädigender Weise. Zudem sind Männer eher alkoholabhängig als Frauen“, so der EMFH-Bericht. Verletzungen und Sterberaten wegen Alkoholkonsums seien bei Männern höher als bei Frauen.

Die größten Unterschiede bei der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen gibt es im Osten Europas. Weißrussland, die Ukraine, Kasachstan, Russland, Estland, Litauen und Montenegro gehören zu dieser Gruppe. Hier ist auch der Alkohol- und Tabakkonsum europaweit am höchsten. In den Niederlanden, Schweden, Island, Israel und Großbritannien sind die Unterschiede dagegen am geringsten. 2010 lag die durchschnittliche Lebenserwartung im Vereinigten Königreich bei 80 Jahren – dabei kamen Frauen auf 82,5 Jahre, Männer auf 78,5.

Über 50 Prozent der Todesfälle bei Männern seien vermeidbar, so das EMHF. Männer würden allerdings weniger zu Routine- und Vorsorgeuntersuchungen gehen als Frauen. Deswegen müsse das Bewusstsein und Wissen über Gesundheit bei Männern gestärkt werden. Die Vertreter der WHO fordern die europäischen Länder zu mehr Zusammenarbeit auf, um die großen Gesundheitsunterschiede auf dem Kontinent zu verringern.

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