Therapie

Alzheimer schon Jahrzehnte vor Ausbruch der Demenz erkennbar

Proteinablagerungen im Gehirn, die als Auslöser der Demenz gelten, sind schon sehr früh auf Gehirn-Scans sichtbar. Forscher fanden jetzt heraus, dass es etwa 20 Jahre dauert, bis die Ablagerungen, sogenannte Beta-Amyloid-Peptide, die Krankheit auslösen.

Abnorme Proteinablagerungen im Gehirn, die als ein Auslöser der Alzheimer-Krankheit gelten, können schon Jahrzehnte vor Krankheitsbeginn festgestellt werden. Zu diesem Ergebnis gelangte ein australisches Forscherteam am Austin Hospital in Melbourne. Die Ärzte beobachteten 200 ältere Menschen, berichtet Bloomberg. Darunter befanden sich Patienten mit Alzheimer und anderen kognitiven Beeinträchtigungen.

Über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren verglichen die Forscher bei den Studienteilnehmern den Rückgang der kognitiven Fähigkeiten und der Gehirngröße mit den Ablagerungen abnormer Proteine im Gehirn. Dabei fanden sie heraus, dass es etwa 20 Jahre dauert, bis die Ablagerungen, sogenannte Beta-Amyloid-Peptide, zur Demenz führen.

Mithilfe der Kernspintomographie kann das Gehirn auf Proteinablagerungen untersucht werden, welche die Alzheimer-Krankheit auslösen können. (Foto: Flickr/LisaRoxy)

Mithilfe der Kernspintomographie kann das Gehirn auf Proteinablagerungen untersucht werden, welche die Alzheimer-Krankheit auslösen können. (Foto: Flickr/LisaRoxy)

„Jetzt ist recht eindeutig, dass es ein sehr langsamer und zwei Jahrzehnte andauernder Prozess ist“, zitiert Bloomberg Christopher Rowe, der an der Studie mitwirkte. Die Gehirnablagerungen seien bei allen Alzheimerpatienten festgestellt worden. Allerdings habe die Krankheit nicht bei allen Menschen mit Ablagerungen von Beta-Amyloid-Peptiden eingesetzt.

Alzheimer entwickle sich so langsam, dass einige Menschen sterben, bevor die Demenz einsetzt, so Rowe. Das Amyloid sei zwar mit großer Wahrscheinlichkeit der Auslöser der Alzheimer-Krankheit, doch zum Ausbruch der Demenz bedürfe es weiterer Faktoren, die noch nicht vollständig erforscht seien. Die Wissenschaftler beobachteten zudem, dass Patienten mit einem höheren Bildungsgrad und größeren Gehirnen mehr Amyloid-Ablagerungen im Gehirn vertragen, ohne dass die Demenz einsetzt.

Die Erkenntnisse legen nahe, dass Ärzte viel Zeit haben, um die Proteinablagerungen im Gehirn zu verlangsamen oder ihnen sogar entgegenzuwirken. Sie könnten den Ausbruch der Krankheit verzögern oder ihn sogar ganz verhindern. Alzheimer ist heute die Hauptursache für Demenz. Weltweit sind 35,6 Millionen Menschen davon betroffen, und die Weltgesundheitsorganisation erwartet bis 2030 eine Verdopplung dieser Zahl.

Rowe und seine Kollegen suchen nun nach möglichen Therapien, mit deren Hilfe die Amyloid-Ablagerungen bekämpft werden können, noch bevor diese das Gehirn schädigen. Sollte dies gelingen, so werde der Einsatz der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) massiv zunehmen, so Rowe. Die PET ist ein bildgebendes Verfahren der Nuklearmedizin, mit dessen Hilfe Schnittbilder des Gehirns erzeugt werden können. Neben der PET setzten die Forscher auch die Kernspintomographie (MRT) ein, um die Gehirne der Patienten zu beobachten.

„Man hat eine viel größere Chance, eine Krankheit aufzuhalten [bevor sie ausbricht], als zu versuchen, ein schwer geschädigtes Gehirn zu reparieren“, sagt Rowe. Zwar habe sein Team für den Kampf gegen Alzheimer eine präzise Diagnoseform entwickelt, doch noch könne die Krankheit nicht gestoppt werden. Große Pharmakonzerne forschen seit vielen Jahren an der Entwicklung von Arzneien zur Behandlung von Alzheimer. Die bisherigen Therapien bieten allerdings nur eine geringfügige und vorübergehende Linderung der Symptome.

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