Analyse

Grundversorgung: Landärzte werden verstärkt gesucht

Immer weniger junge Mediziner wollen Hausarzt werden. Auf dem Land werden praktische Ärzte bereits dringend gesucht. Die KBV empfiehlt, dass die Tätigkeit eines niedergelassenen Haus- und Facharztes schon im Studium eine stärkere Rolle spielen müsse.

Nur sehr wenige junge Mediziner wollen Hausärzte werden, obwohl es einen zunehmenden Mangel gibt. Im Jahr 2012 waren von den mehr als 10.000 Ärzten, die nach der Ausbildung ihre Weiterbildung abschlossen, laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) nur 949 Hausärzte, so wenige wie seit Jahren nicht. „Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir in zehn Jahren vor einem Desaster stehen“, zitiert der Onlinedienst nordbayern.de den KBV-Vorstand Regina Feldmann.

Auch in anderen Bereichen der Grundversorgung wie der Chirurgie oder der Orthopädie gebe es immer weniger Ärzte. Feldmann warnt: „Bei Hausärzten, Augen-, Haut- und Hals-Nasen-Ohrenärzten geht zunehmend der Nachwuchs aus und die Weiterbildungsabschlüsse sinken.“

Hausarzt zu werden, ist bei jungen Medizinern nicht beliebt. Nachwuchs wird aber dringend benötigt. (Foto: Flickr/Aleera*)

Hausarzt zu werden, ist bei jungen Medizinern nicht beliebt. Nachwuchs wird aber dringend benötigt. (Foto: Flickr/Aleera*)

Das Problem liegt laut KBV bei der universitären Ausbildung. Angehende Ärzte würden in den Unis zu wenig über die ärztliche Grundversorgung erfahren. Der alltäglichen ambulanten Versorgung von Patienten müsse in der Ausbildung mehr Bedeutung beigemessen werden. „Wir brauchen weniger potenzielle Nobelpreisträger, sondern mehr Ärzte für die Versorgung der Patienten vor Ort“, sagte Roland Stahl, Pressesprecher der KBV, den Deutschen Gesundheits Nachrichten.

In Deutschland gibt es derzeit rund 60.000 Hausärzte. Allerdings würden bis zum Jahr 2020 mehr als 40.000 niedergelassene Ärzte altersbedingt ausscheiden, so Stahl. Ärztlicher Nachwuchs werde daher dringend benötigt. Wenn kein Nachwuchs nachkomme, „ist auf Dauer die Grundversorgung insbesondere im ländlichen Raum gefährdet“, warnt Stahl.

Die KBV drängt daher auf Reformen in der Aus- und Weiterbildung von Ärzten. Die Tätigkeit eines niedergelassenen Haus- und Facharztes müsse schon im Studium eine stärkere Rolle spielen, so Stahl. So solle das Interesse der Mediziner für eine Tätigkeit als Hausarzt geweckt werden.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Warum gibt es so wenigr Hausärzte auf de Land? Das lag und liegt alleine in der Hand der jeweiligen Länder-KV. Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben die freien Arztsitze in den letzten Jahrzehnten so verteilt, daß sich zu viele Ärzte in der Stadt niederlassen konnten. Nun, das war solange kein Problem, wie die Landarztsitze nachbesetzt werden konnten. Die Niederlassung auf dem Land bedeutete zwar immer viel Arbeit, aber eben auch einen hohen Verdienst. Das wurde und wird von der KV seit Jahren untergraben. Arbeit gibt es immernoch viel, aber die Einnahmen haben sich auf einem niedrigen Niveau eingependelt. Das ist eben nicht attraktiv. Man kann noch so viele Allgemeinmediziner ausbilden. Will man sie auf´s Land locken, dann müssen die Einnahmen stimmen. Was bekommt man stattdessen? Abstaffelung bei Überschreitung der durchschnittlichen Patientenzahlen. Die werden von einem Landarzt aber immer überschritten. Ständige Budgetkürzungen und dauernd neue Einschränkungen der Behandlungsmöglichkeiten. Das ist ebenfalls wenig förderlich. Im Laufe meiner Tätigkeit als Landarzt bin ich zur Überzeugung gekommen, daß zumindest die KV Schleswig-Holstein keine Landärzte will. Ich kann nur jedem raten: lasen Sie sich keinesfalls in Schleswig-Holstein nieder. Gehen Sie nach Süddeutschland. Da bekommen Sie noch ein ordentliches Honorar für Ihre Arbeit. In Schleswig-Holstein bringt die KV seit Jahren nichts ordentliches mehr zustande.