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Umstritten: Deutsche gehen immer öfter zum Online-Arzt

Die Bundesärztekammer will Online-Praxen verbieten lassen. Dort fehle das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. Die Kassenärztliche Vereinigung kritisiert zudem, dass durch Online-Praxen nationale Bestimmungen zum Schutz des Patienten umgangen werden könnten.

Es ist viel einfacher, eine Sprechstunde beim Online-Arzt in Anspruch zu nehmen, als sich zu Fuß oder mit dem Auto zum Offline-Arzt aufzumachen. Die Online-Diagnose ist innerhalb weniger Stunden fertig, der Patient bezahlt die Behandlung, das Rezept folgt innerhalb weniger Tage. So funktioniert auch die Online-Arztpraxis DrEd. Seit November 2011 gibt es die deutschsprachige Seite des Londoner Unternehmens. Rund 15.000 Deutsche haben sich seitdem dort online betreuen lassen, so der Betreiber.

Doch die Behandlung durch Online-Ärzte ohne einen wirklichen persönlichen Kontakt ruft Kritik hervor. Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, warnte vor der Online-Behandlung: „Laut Berufsordnung dürfen deutsche Ärzte die individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Beratung, nicht ausschließlich aus der Ferne durchführen“, zitiert ihn das Ärzteblatt. Dieser Behandlungsgrundsatz diene dem Schutz des Patienten.

Kritiker warnen davor, sich ausschließlich online vom Arzt behandeln zu lassen. (Foto: Flickr/jfcherry)

Kritiker warnen davor, sich ausschließlich online vom Arzt behandeln zu lassen. (Foto: Flickr/jfcherry)

Denn die Grundlage jeder Behandlung sei das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten, sagt Montgomery. Dies könne nur aufgrund eines persönlichen Kontakts geschaffen werden. „Diagnose und Behandlung allein über das Internet können nicht im Interesse des Patienten sein“, so der Bundesärztekammer-Präsident. Prinzipiell unterstütze die BÄK den Einsatz von Telemedizin, also der medizinischen Behandlung über Telefon oder Internet. „Dabei muss Telemedizin aber der Patientenversorgung dienen und nicht der Erschließung neuer Absatzmärkte für die Industrie“, fordert Montgomery.

Die Vorstände der Kassenärztlichen Vereinigung kritisieren, dass durch Online-Praxen nationale Bestimmungen zum Schutz des Patienten umgangen werden könnten. Daher müsse der Gesetzgeber untersagen, dass ein englischer Arzt einen deutschen Patienten online behandeln könne. Auch der CSU-Abgeordnete Johannes Singhammer warnte vor solchen Online-Angeboten. Dadurch werde der Schutz des Patienten ausgehöhlt, zitiert ihn das Ärzteblatt.

Der Besuch in der Online-Arztpraxis ist allerdings nicht so einfach wie auf der Homepage angepriesen. Man muss sich durch Fragebögen klicken und mitunter lange auf seine Diagnose warten. In manchen Fällen ist es sogar unmöglich, eine Online-Diagnose zu stellen. Dann muss man doch wieder offline zu seinem Arzt des Vertrauens gehen.

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