Studie

Milch ist gesund – aber nur in der Werbung

Auf Werbeslogans, die die gesunden Inhaltsstoffe von Milchprodukten anpreisen, trifft man als Konsument täglich. Ernährungsexperten empfehlen, Soja-, Reis- oder Hafermilch zu komsumieren, statt Kuhmilch.

Wenig wirksam gegen Osteoporose, dafür mit Inhaltsstoffen, die das Krebsrisiko steigern: Das Werbemärchen von der gesunden Milch wird durch neue Studienergebnisse immer stärker angezweifelt. Besonderes Hauptargument der Fürsprecher eines häufigen Milchkonsums ist die angebliche Wichtigkeit des Inhaltsstoffes Kalzium, das tatsächlich in hohem Maße in der Milch vorhanden ist.

Das Mineral helfe bei der Vermeidung von Osteoporose, so die weit verbreitete Meinung. Vor allem bei älteren Menschen führt diese Knochenschwäche oft zu Brüchen. Schon allein der Grad der Kalzium-Aufnahmefähigkeit durch den Menschen ist aber bei Milchprodukten geringer als bei anderen kalziumhaltigen Lebensmitteln, insbesondere bei gewissen Gemüsearten. 30 Prozent sind es bei der Milch, während bei Brokkoli, Rosenkohl und Blattsalaten 40 bis 60 Prozent Ausbeute erreicht werden.

Tröpfchenweise lösen wissenschaftliche Erkenntnisse den Mythos von der gesunden Milch auf. (Foto: Flickr/Tambako the Jaguar)

Tröpfchenweise lösen wissenschaftliche Erkenntnisse den Mythos von der gesunden Milch auf. (Foto: Flickr/Tambako the Jaguar)

Eine Studie der Harvard University meldet gar Zweifel an der generellen Wirkung des Kalziums an. Die Wissenschaftler der Harvard Public School for Health testeten 75.000 Frauen über einen Zeitraum von zwölf Jahren hinsichtlich des Effektes von Milch auf ihre Knochen. Wie sich zeigte, wurden die Knochen der Testpersonen nicht widerstandfähiger, sondern waren sogar einem höheren Bruchrisiko ausgesetzt. Erklärt wird dieser Zusammenhang mit der Übersäuerung des Körpers, der durch häufigen Milchkonsum ausgelöst wird. Zur Neutralisation entzieht der Körper den Knochen ihren Kalzium-vorrat, wodurch die Osteoporoseanfälligkeit steigt.

Für eine bestimmte Gruppe von Menschen ist indes der Milchkonsum schon von vornherein tabu: Durchschnittlich 15 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an einer Form der Laktoseintoleranz. Tatsächlich bergen Milchprodukte aber auch für alle anderen gewisse Gefahren in sich. So weisen viele Milchprodukte einen hohen Anteil an gesättigten Fetten auf, einem Risikofaktor für Herzkrankheiten. Weitere Studien weisen darauf hin, dass Frauen durch die in der Milch enthaltene Laktose einem höheren Risiko von Eierstockkrebs ausgesetzt sein könnten. Bei Männern hingegen dürfte eine hohe Kalziumeinnahme – sei es über Milchprodukte oder über Gemüse – zu einer erhöhten Anfälligkeit für Prostatakrebs führen. In einer weiteren langfristig angelegten Harvard-Untersuchung mit 20.000 männlichen Teilnehmern wurde bei jenen mit mindestens zweimal täglichem Milchkonsum ein um 34 Prozent höheres Risiko auf Prostatakrebs festgestellt als bei jenen, die wenig oder gar keine Milchprodukte zu sich nahmen.

Harvards Ernährungsexperten behaupten auf ihrer Website, sie seien komplett unabhängig von Interessen der Milchwirtschaft. Die Ergebnisse ihrer Arbeit scheinen dies zu bestätigen. Und man liefert auch zahlreiche Vorschläge für Ersatzprodukte für die Kuhmilch: von Soja- über Reis- bis hin zu Hafermilch stehen heute bereits einige Ausweichmöglichkeiten in den Regalen. Der Milchwirtschaft könnten die gehäuften Studien zu den Schattenseiten ihres Produktes jedenfalls erhebliches Kopfzerbrechen bereiten.

Kommentare

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  1. Ich staune erst jetzt hierüber in Deutschland zu lesen ; in Südamerika -konkret Uruguay und Argentinien- kennt man das Problem schon seit mindestens 5-7 Jahren und ich lese über meine FB-Freunde von drüben daß schon fast jeder vierte auf Sojamilch umgeschwenkt ist.Und Hafermilch ist auch bestens bekannt.

  2. „Durchschnittlich 15 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an einer Form der Laktoseintoleranz“.

    Ich finde diese Formulierung ziemlich daneben, wenn man bedenkt, dass Milch nur den Zweck hat Säuglingen innerhalb der eigenen Spezies als erste und sehr reichhaltige Nahrung zu dienen. Ob die Bezeichnung „Laktoseintoleranz“ medizinisch korrekt ist, weiß ich nicht, aber sie kommt der Milchindutrie zu gute, denn würde man umgekehrt davon sprechen „Ich habe Laktosetoleranz“, dann hätte das einen ganz anderen Klang. Mir kommt die zweite Variante aber deutlich korrekter vor und ich denke in den meisten Teilen der Welt würde man sich auch dafür entscheiden…

    • Meine Tante wurde 94 Jahre und hat täglich einen Liter Milch getrunken. Mein Großvater wurde 99 Jahre und trank täglich seinen halben Liter Milch.
      Die hier heimische Bevölkerung verträgt natürlich Milch, aus Abstammungsgründen seit der Eiszeit. Es sind die Auswärtigen, die im Garten Eden lebten, die Milch nicht vertragen.
      Aber die heutige Milch ist vielleicht nicht mehr die Milch von früher: Früher fraßen die Kühe gesundes Heu von der Wiese. Was kriegen sie heute? Ich will das nicht wissen.

      • @ Milchtrinker:

        du erwähnst 2 Personen. In der Studie wurden insgesamt 95.000 Menschen getestet. Was ist wohl repräsentativer?
        Jeder legt es sich schön einfach, deswegen willst du auch nich wissen was die Kühe fressen. Das sollte dich nicht nur wegen deiner Gesundheit interssieren, sonder auch für die der Kühe. Aber weggucken ist natürlich einfacher.

    • „Laktoseintoleranz“ ist medizinisch korrekt, da bei dieser Form dem Betroffenen das entsprechende Enzym „Laktase“ fehlt, welches die Laktose spaltet, so dass der Darm die daraus entstehenden Monosaccharide über die Darmzotten resorbieren kann.

      Fehlt das Enzym Laktase, kann Laktose, was ein Disaccharid ist, nicht gespaltet werden und somit auch nicht aufgenommen werden. Laktose wandert somit weiter durch den Darm und wird durch die Darmbakterien zersetzt. Hierdurch entstehen Gase, die zu Blähungen und in manchen Fällen auch zu Durchfall führen können.

      Die Laktoseintoleranz bekommt man nicht im Laufe seines Lebens, sondern ist angeboren. Auch ein Säugling ist dann nicht imstande die Milch zu spalten und bekommt Blähungen und Durchfall.

      Laktoseintoleranz gibt es aber nicht nur bei Menschen, sondern ist auch bei Tieren (wie z.B. Katzen) bekannt.

      P.S.
      Ich finde es persönlich immer wieder amüsierend, wie Leute sich mit gefährlichem Halbwissen eine Meinung bildung und auf einen Zug aufspringen, der oftmals in die falsche Richtung zu fahren scheint.

      • Laktose hin oder her… Kuhmilch ist die Muttermilch für Kälbchen und KANN für Menschen gar nicht gut sein! Zumindest nicht auf Dauer. Wenn man gar nichts zu essen hat, ist es sicherlich eine zeitlich begrenzte Alternative. Aber wir hungern alle nicht! Also müssen wir den Tieren auch nicht die Muttermilch weg trinken.

        Kam eigentlich schonmal jemand auf die Idee, vom Hund, Katze, oder von einer fremden Frau auf der Straße die Milch abzupumpen und zu trinken? Nein? Aber warum denn nicht? Es ist doch das selbe!

        Der Mensch ist somit das einzige Individuum auf diesem Planeten, das Zeit seines Lebens gestillt wird und zwar mit Milch einer anderen Spezies.

        Bei diesen Gedanken rückt das Wort Laktoseintoleranz in ein ganz anderes Licht, oder?

        • Schlichtweg richtig. Meine leibliche Mutter hat mich vor 26 Jahren abgestillt, wieso sollte ich weiterhin Muttermilch trinken??

        • sorry, aber offentlich hat sich die menschheit gerade in europa nur so weit entwickeln können, weil wir zusätzliche nahrungsmittelquellen wie milch von tieren erschlossen haben.

          das hat mir stillen nichts zu tun, sondern mit dem ausnützen von ressourcen. die grenze haben wir erst bei der massentierhaltung überschritten.

          niemand im universum verurteilt ein schwarzes loch, wenn es planeten einsaugt. niemand verurteilt raubtiere, wenn sie andere tiere fressen, denn da ist das halt so.

          wir sind allesfresser und ernähren uns von milch, eiern, fleisch, aber auch obst, mehl, öl, gemüse etc.

          wer sagt, dass es dem gemüse gefällt in reih und glied angepflanzt, überdüngt und verspeist zu werden. pflanzen sind ähnlich wie wir lebenwesen, haben einen überlebenstrieb und pflanzen sich tw. auch geschlechtlich fort. außerdem waren sie wohl die ureinwohner aller kontinente bevor tiere kamen. hier so eine trennung oben der mensch, darunter das tier, dann die pflanze zu machen ist blödsinn.

          entweder wir essen alles, oder nichts … zumindest sollten wir pflanzen und tieren ein halbwegs natürliches leben ermöglichen.

          • @ markus

            wie viele Blumen hast du schon gepflückt? und wie viele Tiere geschlachtet? und was stellst du dir schöner vor? Wenn wir nicht genug Nahrung hätten, kann man auf Notlösungen wie Fleisch, Eier, Milch, etc. zurückgreifen. Aber Fakt ist, dass das genau den gegenteiligen Effekt hat: wären alle Menschen vegan, müsste NIEMAND auf der ganzen Welt hungern. Aber unsere Tiere müssen den Leuten in Afrika ja das Essen wegessen. Vllt ist es mitlerweile natürlich Fleisch zu essen. Aber auch wir entwickeln uns weiter und müssen unseren Kopf einsetzten. Und nicht sagen: das haben wir schon immer so gemacht, das wird schon richtig sein. In der Industrie/Wirtschaft/Forschung gelingt uns das ganz gut, es vereinfacht ja unser Leben. Aber wenn wir zum Wohle der Menschheit und Natur auf den Geschmack von Fleisch verzichten müssen, ist das natürlich zu viel verlangt. Aber am besten wir unterstützen diverse Hilfsorganisationen für hungerne Kinder und drücken uns gleichzeitig ein fettest Stück Steak rein.

      • Unsinn. Natürlich kann ein Mensch bei übermäßigen Milchkonsum an Laktoseintolleranz „erkranken „.
        Habe drei Leute im Familien und Freundeskreis, die meinten jeden Tag ihren Liter Milch trinken zu müssen. Jetzt vertragen sie kein Tropfen mehr von dem Zeug. Ich finds gut weniger Kälber die dafür geschlachtet werden müssen.

      • Tut mir leid aber das was sie hier schreiben ist typisch gutmenschenhaft!
        Es wäre auch heutzutage schon möglich dass niemand auf der Welt hungern müsste, trotz fleischhaltiger Ernährung von weiten Teilen der Weltbevölkerung!
        Der Welthunger ist eine Frage der ungerechten Verteilung (Wirtschaftssystem Globalisierter -Turbo-Kapitalismus) und nicht eine Frage des Fleischessens…Veganer und Vegetarier sehen das Thema oft zu emotional um über den Rand hinauszusehen!

  3. Bisher hatte ich nie Probleme mit Kuhmilch, aber seitdem ich Vegetarier bin und auch vegan nicht ablehne, somit Alternativen probiere, merke ich wie bekömmlich diese sind!

  4. Der Kinderarzt ratet ja schon davon ab,einem Baby etwas mit Kuhmilch zu verabreichen.Aber ganz ehrlich in meinen Kaffee geb ich auch normale Milch rein.oder im Kakao…ich denke alles was man im Übermaß konsumiert ist auf die Dauer nicht gut.

  5. @ Sascha: Ja, das ist der medizinisch korrekte Ausdruck und eben weil es aus der Medizin kommt und dort nicht zwingend die Funktionalität im Vordergrund steht, wurde das Ausbleiben der Laktaseproduktion als Krankheit benannt. Im Umkehrschluss kannst du von dir behaupten, du seist Laktosetolerant 🙂

    Ich finde es ja sehr schön, dass hier eine oder mehrere bahnbrechende Studien aufgearbeitet wurden. Leider, und das finde ich sehr wichtig, fehlt die Quelle. Wurde die Studie bewertet? Nur weil eine Studie durchgeführt wurde, muss sie noch lange nicht gut sein. Das würde sich auf die Validität und Reliabilität der Ergebnisse auswirken.
    Dadurch könnte man die Risikokommunikation (Die Ergebnisse der Studien auf bevölkerungsgerechte Endpunkte, in adäquater, unverzerrender Sprache umgesetzt) erheblich verbessern. Da stellt sich die Frage: Wenn das Bruchrisiko erhöht ist, wie hoch war es denn? Sind die 34 % erhöhtes Risiko absolut oder relativ (RRR, ARR)?
    Waren die gemessenen Endpunkte signifikant?

    Ich will gar nicht behaupten, dass ich der große Milchverfechter bin, aber wenn das Thema endlich in Deutschland diskutiert wird, dann bitte fundiert. Die Infos aus diesem Artikel reichen nicht aus um eine ernsthafte Beschäftigung mit dem Gegenstand zu zulassen.

  6. Was ist dann mit Käse, Joghurt, Quark,
    Butter, Sahne usw? Das basiert doch alles auf
    Milch? Soll man auf das alles verzichten?
    Ich selbst esse weder Wurst noch Fleisch.
    Was bleibt einem dann noch übrig? Ich sehe es
    so, dass Milch zu unseren Grundnahrungsmitteln
    gehört und seit Jahrhunderten zu unserer Kultur.
    Ich lass mir da jetzt keine Panik machen.
    Da gibt es ganz andere Nahrungsmittel bei denen
    es sich eher lohnt drüber nachzudenken ob man die
    weiter verzehren sollte.

  7. Fakt ist, in weiten Teilen der Welt leidet man nicht unter Zivilisationskrankheiten…dh irgendetwas machen wir falsch!
    In weiten Teilen der Welt nimmt man ausserdem keine Milch zu sich!
    Ein wissenschaftlicher Zusammenhang ist trotzdem nicht zu erkennen.
    Es kann auch am Zucker, dem Fleisch oder dem Brotkonsum liegen…
    Fakt: Ich trinke keine Milch sondern esse lieber ab und zu einen guten Käse 🙂