Pflege

Pflegeberufe: Nachwuchs soll aus Asien kommen

Kliniken und Altenheimen fehlt das Personal. Dabei sind in einigen EU-Staaten 50 Prozent der Jugendlichen arbeitslos. Während die Bundesagentur für Arbeit neues Personal in China und auf den Philippinen sucht, wirbt die EU damit, Umschulungen und Zusatzausbildungen für Jugendliche in den EU-Ländern anzubieten.

Die Gesellschaft altert, und um alten Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen, steigt der Bedarf an Pflegekräften. Derzeit fehlen rund 18.000 Pflegekräfte, sagte die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit im März. In der Gesundheits- und Krankenpflege gebe es mehr als 8.000 offene Stellen, in der Altenpflege etwa 10.000 Stellen.

„Auf Dauer reicht es nicht aus, nur in Europa nach Fachpersonal zu suchen“, sagte die ZAV-Direktorin Monika Varnhagen der FAZ. Deshalb begebe man sich jetzt auch in China und auf den Philippinen auf die Personalsuche. In China versuche man derzeit mit einem Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeberverband Pflege, 150 Pfleger anzuwerben. Seit April werden diese in der Provinz Shandong auf ihren neuen Arbeitsplatz in Deutschland vorbereitet. Auf den Philippinen soll dasselbe geschehen, so Varnhagen.

Deutsche Kliniken und Altenheime suchen das fehlende Pflegepersonal nicht in Europa, sondern in Asien. (Foto: Flickr/Walt Stoneburner)

Deutsche Kliniken und Altenheime suchen das fehlende Pflegepersonal nicht in Europa, sondern in Asien. (Foto: Flickr/Walt Stoneburner)

Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit – vor allem mit Blick auf die Jugendarbeitslosigkeit in den Peripherie-Ländern der EU – zeigt die Lage, dass der erhoffte gemeinsame Arbeitsmarkt in Europa gescheitert ist.  Schließlich liegt die Jugendarbeitslosigkeit beispielsweise in Spanien bei über 50 Prozent. Auch in Griechenland, Zypern und Portugal sieht es mitnichten besser aus. Pflegepersonal aus dem EU-Ausland könnte die deutsche Sprache sicher schneller lernen als Pfleger aus China oder von den Philippinen. Zudem stehen die Südeuropäer Deutschland kulturell näher.

So forderte auch Angela Merkel, dass die europäische Jugend mehrere Sprachen lernen möge. Der EU-Sozialkommissar Laszlo Andor sprach sich erst im März für eine Jobgarantie für Jugendliche in Europa aus und forderte: „Junge Menschen müssen bereit sein, ihre Heimatregion zu verlassen.“ Die Forderungen verhallten ungehört.

Nun soll Geld helfen: Die EU hat beim letzten Gipfel beschlossen, die hohe Arbeitslosigkeit unter der jungen EU-Bevölkerung mit finanziellen Mitteln und neuen Programmen zu bekämpfen. Dabei würden etwaige Umschulungen und Zusatzausbildungen für europäische Arbeitssuchende näher liegen, als Fachkräfte aus Asien anzuwerben.

Die ZAV vermittelte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben nur 56 Pflegekräfte aus dem europäischen Ausland. „Trotz EU-Freizügigkeit sind nur wenige Pflegefachkräfte aus Ländern wie Polen, Tschechien, der Slowakei oder Ungarn gekommen“, sagte Steffen Ritter, Sprecher des Arbeitgeberverbands Pflege, der FAZ.

Hindernisse seien vor allem der hohe bürokratische Aufwand bei der Berufsanerkennung, fehlende Deutschkenntnisse und die sehr stark auseinander klaffenden Regelungen in den verschiedenen Bundesländern. Doch genau das sind auch die Hindernisse, mit denen Pflegekräfte aus China und den Philippinen zu rechnen hätten.

Als weiteren Grund für die wenigen Fachkräfte aus dem EU-Ausland gibt Ritter die schlechte Bezahlung in Deutschland an. Unter dieser leiden allerdings auch die deutschen Fachkräfte. Die geringe Bezahlung wird auch von vielen Jugendlichen als Grund angegeben, lieber über staatliche Transfers, weitere Universitätsaufenthalte und andere fremdfinanzierte Beschäftigungen ein Auskommen zu finden. Dass die Arbeit in einem Pflegeberuf hart ist, ist einer doch sehr hedonistisch gewordenen Gesellschaft erst recht nicht als Wert zu vermitteln.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *