Krankenkassen

Unnötige Wirbelsäulen-MRTs belasten die Krankenkassen

Jede vierte Magnetresonanztomografie im Wirbelsäulenbereich ist überflüssig und dient oft nur der Beruhigung der Patienten. Vor allem die MRT-Überweisungen, die von Allgemeinärzten ausgestellt wurden, galten dem Expertenpanel vielfach als unangemessen.

Die Zahl der Magnetresonanztomografien (MRTs) zur Ursachenfeststellung von Rückenschmerzen ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Doch nicht immer ist die Untersuchung in der Röhre wirklich notwendig, besagt eine aktuelle Studie. Ein Forscherteam rund um den kanadischen Radiologen Derek Emery beurteilte die Sinnhaftigkeit von MRT-Untersuchungen im Wirbelsäulenbereich.

Dabei bewertete eine Expertengruppe den Einsatz einer diagnostischen Maßnahme aufgrund vorliegender Krankenhausdaten. Insgesamt wurden so 1.000 an kanadischen Krankenhäusern durchgeführte MRTs im Wirbelsäulenbereich und 1.000 Schädel-MRTs analysiert. Von den Wirbelsäulen-Untersuchungen wurden 443 als angemessen bewertet. 285 waren von fraglichem Nutzen, in 272 Fällen war die Untersuchung für die Fachleute gänzlich überflüssig.

Patienten mit Rückenbeschwerden werden zu häufig in die MRT-Röhre geschoben, sagen kanadische Forscher. (Foto: Flickr/digital cat)

Patienten mit Rückenbeschwerden werden zu häufig in die MRT-Röhre geschoben, sagen kanadische Forscher. (Foto: Flickr/digital cat)

Vor allem die MRT-Überweisungen, die von Allgemeinärzten ausgestellt wurden, galten dem Expertenpanel vielfach als unangemessen. Nur 34 Prozent davon galten als angebracht. Am treffsichersten waren hingegen die Neurochirurgen, deren Überweisungen in 76 Prozent der Fälle als angemessen beurteilt wurden.

Bei den verordneten Kernspin-Tomografien im Kopfbereich war die Lage hingegen um einiges besser. Hier wurden 83 Prozent der Fälle als angemessen, nur 8 Prozent als fraglich und 9 Prozent als unangemessen eingestuft. Die guten Werte im Bereich der Schädel-MRTs sind allerdings nur wenig aussagekräftig, da sich die meisten Patienten bereits zu einem früheren Zeitpunkt einer solchen Untersuchung unterzogen hatten und deshalb eine Vorselektierung stattfand.

„Die hohe Rate nicht angebrachter oder nur fraglich indizierter MRTs überrascht uns nicht“, werden die Studienautoren in der Ärztezeitung zitiert. Schließlich habe die Zahl der Wirbelsäulen-Tomografien in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen. Die Studie besagt aber auch, dass vermutlich viele Patienten keine MRT-Verschreibung bekommen würden, bei denen es eigentlich angebracht wäre.

In fachmedizinischen Kreisen wird oftmals der Verdacht geäußert, das hausärztlich verschriebene Wirbelsäulen-MRT diene in vielen Fällen nur der Beruhigung der Patienten durch eine Art Ausschlussdiagnostik. Eine medizinische Notwendigkeit besteht demnach nicht immer.

Laut der Transparenzplattform Arztkosten online beträgt das Honorar für eine MRT-Untersuchung in Deutschland zwischen 400 und 500 Euro. Eine hohe Rate an unnötig verordneten Kernspin-Tomografien käme die Krankenkassen daher sehr teuer zu stehen.

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