Ernährung

Kurios: Wirtschaftskrise senkte Diabetes-Rate

Staatlich verordnetes Radfahren und gesündere Ernährung auf Kuba haben sich positiv auf die Diabetes-Rate ausgewirkt. Derzeit überlegen die EU-Länder, ob sie ihre Krisen auf ähnliche Weise bewältigen können.

Langzeitstudien über die Entwicklung von Diabetes auf Kuba haben bestätigt, dass die Einwohner des kommunistischen Staates seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion seltener an Diabetes erkranken. Kurioserweise hängt das mit der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung in Kuba seit den neunziger Jahren zusammen, berichtet das Ärzteblatt.

Als Kuba von den finanziellen Mitteln aus der Sowjetunion abgeschnitten wurde, wurde vieles knapp. Der Export von Zuckerrohr brach zusammen, der Import von Erdöl wurde schwierig, weil dem Land die notwendigen finanziellen Ressourcen fehlten. Auch Düngemittel und Pestizide wurden knapp, Nahrungsmittel ebenso.

Fahrradfahren hat in Kuba zur Abnahme der Diabeteserkrankungen beigetragen. (Grafik: Flickr/Nouhailler)

Fahrradfahren hat in Kuba zur Abnahme der Diabeteserkrankungen beigetragen. (Grafik: Flickr/Nouhailler)

In der Folge nahmen die Kubaner im Durchschnitt etwa vier bis fünf Kilo ab. Allein eine Gewichtsreduktion verringert das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Präventionsstudien zufolge habe das die Zahl der Neuerkrankungen bereits halbiert. Da auch das Benzin zur Mangelware wurde, hat die Regierung eine Million Fahrräder verteilen lassen. Die Kombination von Bewegung und Diät führte letztendlich zu der verringerten Diabetes-Rate.

Als sich Kuba letztendlich von der Krise erholen konnte, stieg das Gewicht der Kubaner wieder – und mit dem Gewicht stieg die Zahl der Neuerkrankungen. Bis 2010 hatten die Kubaner durchschnittlich wieder neun Kilo zugelegt.

Dass sich eine Wirtschaftskrise grundsätzlich positiv auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkt, kann allerdings nicht behauptet werden. Erste negative Folgen der Euro- und Staatsschuldenkrise zeichnen sich vor allem in den Krisenländern Spanien, Griechenland und Portugal ab. Die Sparpolitik der EU belaste die Gesundheitssysteme der Länder, berichtet Doccheck.

Auch ein Anstieg der psychischen Erkrankungen und Selbstmordraten sei in diesen Ländern zu beobachten, sagte Martin McKee vom Europäischen Observatorium für Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik. Allein in Griechenland habe sich die Selbstmordrate zwischen 2010 und 2011 um 40 Prozent erhöht. Einer Studie zufolge gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Arbeitslosigkeit und dem der Suizidrate.

Die EU müsse ihr Spardiktat überdenken. Sie sei dazu verpflichtet, die gesundheitlichen Auswirkungen ihrer Politik auf die Bürger zu berücksichtigen. Die Gesundheitsminister und -behörden hätten sich während der Krise jedoch viel zu ruhig verhalten.

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