Versicherungen

Schulden der gesetzlich Versicherten steigen rasant

Die Außenstände säumiger Beitragszahler, vor allem von Freiberuflern, sind in 12 Monaten um 600 Millionen Euro gestiegen. Ein neuer Gesetzentwurf sieht einen sogenannten „Notlagentarif“ von 100 Euro monatlich vor.

Selbstzahler, in den meisten Fällen Freiberufler, sind immer häufiger säumig. In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erhöhte sich der offene Betrag der rückständigen Beitragszahlungen von 1,53 Milliarden Euro im Januar 2012 auf 2,15 Milliarden im Januar 2013. Das geht aus einer aktuellen Aufstellung des GKV-Spitzenverbandes hervor, berichtet das Ärzteblatt. Somit haben Hunderttausende Versicherte Schulden bei ihrer Krankenkasse.

Zudem sind knapp 60 Prozent des Gesamtbetrages als de facto uneinbringlich eingestuft. Lediglich bei den restlichen 872 Millionen Euro bemühen sich die Kassen überhaupt noch darum, das Geld zurückzubekommen. Grund für die Beitragsrückstände sind nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes in der Regel finanzielle Probleme von Selbstständigen oder eine Privatinsolvenz.

Die Kassen der Versicherungen sind prall gefüllt, während immer mehr Freiberufler ihre Beiträge nicht mehr bezahlen können. (Foto: Flickr/401(K) 2013)

Die Kassen der Versicherungen sind prall gefüllt, während immer mehr Freiberufler ihre Beiträge nicht mehr bezahlen können. (Foto: Flickr/401(K) 2013)

Die Krankenkassen haben in den vergangenen zwei Jahren einen Überschuss von 17,8 Milliarden Euro angehäuft (siehe Analyse in diesem PDF). An eine Absenkung des monatlichen Beitrages für die Versicherten wollen sie jedoch nicht denken. Dies würde die Beitragszahler entlasten und die Kassen wieder zu mehr Sparsamkeit zwingen.

Die Bundesregierung beschloss vergangene Woche einen Gesetzesentwurf, der die Schuldenanhäufung der Selbstzahler beschränken soll. Darin wird der monatliche Säumniszuschlag auf ein Prozent des rückständigen Betrages pro Monat begrenzt. Bisher mussten säumige Beitragszahler einen Zinsaufschlag von 5 Prozent pro Monat oder 60 Prozent pro Jahr leisten. Auflagen, die immer mehr Menschen immer tiefer in die Schuldenfalle tappen ließen, wie der GKV-Bericht zeigt. Ein verminderter Säumniszuschlag von zwölf Prozent pro Jahr sei ein „vernünftiges Maß“ und biete immer noch einen ausreichenden Anreiz, die Versicherungsbeiträge zu bezahlen, sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP).

Auch bei den privaten Krankenversicherungen steigen die Schulden vieler Beitragszahler. 144.000 Menschen sind dort laut den vorläufigen Zahlen für das Jahr 2012 säumig, 745 Millionen Euro an Beitragszahlungen sind offen. Für privat Krankenversicherte sieht der Gesetzesentwurf einen „Notlagentarif“ vor. Dieser soll rund 100 Euro im Monat kosten und nur die allerwichtigsten Versorgungsleistungen abdecken. Gerade für viele Selbstständige mit Kleingewerbe, die in einen vorübergehenden finanziellen Engpass geraten seien, sei dies eine wichtige Perspektive, sagte Bahr. Die Betroffenen könnten nach Zahlung der ausstehenden Beiträge wieder in ihre ursprünglichen Tarife zurückwechseln.

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