Gesundheitswesen

Krankenkassen fördern anonyme Denunziation von Ärzten

Auf der Webseite des GKV-Spitzenverbands kann ärztliches Fehlverhalten gemeldet werden. Die Ärzteschaft läuft dagegen Sturm.

Andreas Köhler, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), ist verärgert über den GKV-Spitzenverband. Denn auf der Webseite der Vertretung der Kranken- und Pflegekassen findet sich ein Formular zur Anzeige von Fehlverhalten im Gesundheitswesen. Dort können verdächtige Ärzte oder Einrichtungen anonym angezeigt werden, etwa wenn sie nicht erbrachte Leistungen abrechnen. Köhler fordert die Einstellung dieses Formulars.

In den Text des Anzeigeformulars können Tatort, Tatzeit und Tatverdächtiger eingetragen werden. Köhler sieht darin eine „populistische Vorverurteilung aller ehrlich arbeitenden Ärzte und Psychotherapeuten“, zitiert ihn die Ärztezeitung. Er fordert, dass der Spitzenverband die Hürden für Anzeigen höher legen solle.

Im Kampf gegen schwarze Schafe sei die anonyme Anzeige korrupter Ärzte erlaubt, so die Kassen. (Foto: Flickr/Zahoяí)

Im Kampf gegen schwarze Schafe sei die anonyme Anzeige korrupter Ärzte erlaubt, so die Kassen. (Foto: Flickr/Zahoяí)

Wer ein Vergehen anzeigen wolle, müsse sich auch zu erkennen geben und etwa für Rückfragen zur Verfügung stehen, fordert der KBV-Chef. Das gegenwärtige Angebot im Internet ermögliche den Missbrauch und führe zur Verunglimpfung von Ärzten und Psychotherapeuten. Zudem sollten die Kassen in ihren Formularen auf die diskriminierende Wortwahl verzichten.

Die Krankenkassen weisen die Kritik der Ärzte zurück. Florian Lanz, Pressesprecher des GKV-Spitzenverbandes, sagte, es sei erstaunlich, dass die Ärztevertreter das Hinweisgeber-Formular erst nach drei Jahren entdeckt hätten.

„Es ist bedauerlich, dass die KBV an der Legende von den verunglimpften Ärzte festhält“, zitiert ihn die Ärztezeitung. Die Anzeige von ärztlichem Fehlverhalten sei notwendig. Denn Abrechnungsbetrug, Untreue und Korruption fügten der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung große finanzielle Schäden zu. Zudem hätten es die vielen ehrlichen Ärzte verdient, dass ernsthaft gegen die schwarzen Schafe im Gesundheitswesen vorgegangen werde.

Die Anonymität der Hinweisgeber müsse geschützt werden. „Mindestens so lange, wie Mitarbeiter, die ihren Arbeitgeber wegen Fehlverhaltens anzeigen, entlassen werden können, ist die Möglichkeit der anonymen Meldung notwendig“, sagt Lanz.

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