Pharmaunternehmen

Verhütungsmittel: Bayer will US-Konzern Conceptus übernehmen

Über eine Milliarde Dollar will sich der Leverkusener Pharmakonzern die Übernahme des US-Konkurrenten kosten lassen. Denn die US-Firma Conceptus vertreibt ein Verhütungsmittel für Frauen, welches ohne die Verwendung von Hormonen und ohne chirurgischen Eingriff auskommt.

Mit der geplanten Übernahme der Aktien von Conceptus – einem US-amerikanischen Verhütungsmittelhersteller – will Bayer seine Produktpalette in dieser Sparte erweitern. Ein Übernahmevertrag sei bereits unterzeichnet. Laut einer Pressemitteilung werde Bayer 31 Dollar pro Aktie zahlen. Die Übernahme hätte somit einen Wert von etwa 1,1 Milliarden Dollar (852 Millionen Euro) und könnte bereits bis Mitte des Jahres abgeschlossen sein.

Die Pläne zur Übernahme kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Verkaufszahlen von Bayers eigenen Verhütungsmitteln – den Antibabypillen Yaz und Yasmin – ins Stocken geraten sind. Vor einem Jahr wurden Massenklagen gegen die Bayer-Pillen in den USA gestartet, da ihre Einnahme angeblich zu einem erhöhten Thrombose-Risiko führen würde. In Frankreich wurde sogar von Todesfällen berichtet, die in Zusammenhang mit Bayers Antibabypille Diane-35 stehen sollen.

Bayers Antibabypillen sind in Verruf geraten. Nun verfolgt der Konzern eine andere Strategie bei den Verhütungsmitteln. (Foto: Flickr/rjones0856)

Bayers Antibabypillen sind in Verruf geraten. Nun verfolgt der Konzern eine andere Strategie bei den Verhütungsmitteln. (Foto: Flickr/rjones0856)

Zudem musste der Konzern vor zwei Wochen eine Niederlage im Patentstreit über die Pille Yaz hinnehmen. Ein US-Gericht entschied, dass das Patent nichtig sei, berichtet Reuters. Damit dürfen Generika-Hersteller bald billige Varianten des Bayer-Medikamentes auf den Markt bringen. Dem Pharmariesen drohen somit in den nächsten Jahren hohe Ertragsverluste. Auch in Indien gab es ähnliche Gerichtsurteile, die den Konzern vor weitere Herausforderungen stellen.

Die US-Firma Conceptus vertreibt ein Verhütungsmittel für Frauen, welches ohne die Verwendung von Hormonen und ohne chirurgischen Eingriff auskommt. Die Übernahme von Conceptus ist für Bayer vor allem wegen dieses Verhütungsmittels interessant, denn die Verwendung bedeutet für Patientinnen ein überaus geringes Risiko. Durch das sogenannte Essure-Verfahren schafft es der Körper, eine natürliche Barriere aufzubauen, die eine Befruchtung der Eizelle durch die Spermien verhindern soll. Der Gynäkologe muss zuvor nur verschiedene Einsätze im Vaginalbereich, am Muttermund und an den Eileitern platzieren. Der Eingriff dauert weniger als zehn Minuten. Das Produkt wird auch in Deutschland angeboten.

„Mit unserer Erfahrung im Bereich der Gynäkologie in Kombination mit unserer Expertise im Vertrieb können wir das Geschäft von Conceptus weiterentwickeln“, sagte Andreas Fibig, Mitglied des Bayer HealthCare Executive Committee und Vorstandsvorsitzender von Bayer HealthCare Pharmaceuticals. Dabei sei Bayer dann in der Lage, auf dem wichtigsten Gesundheitsmarkt der Welt eine breite Produktpalette sowohl kurzzeitig als auch langzeitig wirkender Verhütungsmittel anzubieten.

Durch die internationale Präsenz von Bayer könne sich die Verhütung grundlegend verändern. Das Essure-Verfahren habe nach Angaben von Conceptus so viel Potenzial, dass es zum neuen Standard bei der Empfängnisverhütung werden könne. Das Verfahren biete den Vorteil, dass Risiken, die mit einer Vollnarkose oder mit einem chirurgischen Eingriff bei einer Eileiter-Unterbindung verbunden sind, vermieden werden können. Die Erfolgsquote bei dem Verfahren liege bei 99,8 Prozent. Damit sei das System die effektivste Form der Verhütung. Über 700.000 Frauen weltweit haben den Eingriff bereits vornehmen lassen.

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  1. Ein guter Schritt in die richtige Richtung würde ich sagen! Das Thema Verhütung ohne Hormone wird derzeit immer interessanter (http://harri-wettstein.de/verhuetung-ohne-hormone/) unter anderem auch wegen den Vorfällen in Bezug auf die Pillen von Bayer. Interessant wäre noch zu erfahren, wie genau man sich diese neue Art der Verhütung vorstellen kann und inwieweit mögliche Langzeitschäden ausgeschlossen werden können.