Medien

Castingshows machen depressiv

Die Teilnehmer von Castingshows leiden oft noch Jahre später an den Folgen. Das Risiko für die psychische Gesundheit ist groß.

Bei sogenannten Castingshows treten junge Menschen vor der Kamera in einen Wettkampf, wer etwa am schönsten singt oder wer das beste Mannequin abgibt. Die jungen Menschen versprechen sich davon Ruhm und Prominenz. Doch die meisten von ihnen bereuen später ihre Teilnahme.

Das Teilnehmen an Castingshows birgt langfristige Risiken für die psychische Gesundheit der Kandidaten und kann sogar zu einer Depression führen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, für die 59 ehemalige Show-Kandidaten befragt wurden.

Eine Befragung ehemaliger Kandidaten zeigt: Castingshows können die jungen Menschen psychisch überfordern. (Foto: Flickr/tm-md)

Eine Befragung ehemaliger Kandidaten zeigt: Castingshows können die jungen Menschen psychisch überfordern. (Foto: Flickr/tm-md)

„Ein Fünftel der Kandidaten empfindet die Erfahrung im Nachhinein als negativ“, zitiert die Ärzte Zeitung Maya Götz, eine der Studienautorinnen. Die Betroffenen klagten über psychische Überforderung oder nachhaltige Rufschädigung. Circa 20 Prozent der ehemaligen Kandidaten bei Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) oder „X-Factor“ bereuen ihre Teilnahme.

Im Extremfall leiden ehemalige Kandidaten noch Jahre später unter den Folgen der Show, sagt Götz. Eine einstige DSDS-Kandidatin wurde in der Show als besonders unfähig dargestellt. Sie musste anschließend mit der Häme aus dem sozialen Umfeld leben. Die Sendung wurde mehrmals wiederholt. Ausschnitte können im Internet angeschaut werden. Daher wird sie immer wieder mit ihrer Teilnahme an der Castingshow konfrontiert.

„Ich hätte mich niemals dort beworben, wenn ich gewusst hätte, was die mit den Leuten da alles machen, nur um sie blöd darzustellen, nur damit die Leute was zu lachen haben“, wird sie in der Studie zitiert. Die gezielte Abwertung bestimmter Kandidaten sei Teil des Konzepts, so die Studie. Dies ermögliche den Zuschauern, sich über die Betroffenen lustig zu machen und sich überlegen zu fühlen.

Die Autoren der Studie fordern von den Show-Produzenten, mehr Verantwortung für die teilweise minderjährigen Kandidaten zu übernehmen. Diese müssten mitunter vor sich selbst geschützt werden.

„Die professionelle psychologische Betreuung der Kandidaten während der Show ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Götz. In der Show „The Voice of Germany“ werde dies bereits praktiziert. Doch auch nach dem Ende der Show solle die Betreuung für eine gewisse Zeit fortgeführt werden.

Die Verantwortlichen bei den TV-Sendern haben das Problem erkannt und sind auf dem richtigen Weg. Sie können es sich auf Dauer nicht leisten, schlecht mit ihren Kandidaten umzugehen. Das wäre letztlich rufschädigend.

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