Gesundheitssystem

Hebammen werben für die natürliche Geburt

Die deutschen Hebammen wollen die Zahl der Kaiserschnitte senken. Diese seien nur in jedem zweiten Fall notwendig.

Der Deutsche Hebammenverband wirbt für natürliche Geburten. Er will damit den hohen Anteil an Kaiserschnitten senken. Der Eingriff sei mit gravierenden gesundheitlichen Risiken verbunden. Zudem werde die Bindung zwischen Mutter und Kind erschwert, zitiert das Ärzteblatt Martina Klenk, die Präsidentin des Hebammenverbands.

Klenk will erreichen, dass Schwangerschaft und Geburt wieder als etwas Natürliches und Normales angesehen werden. Inzwischen bekomme in Deutschland circa ein Drittel der Frauen ihr Kind per Kaiserschnitt. Doch nur etwa 45 Prozent der Kaiserschnitte seien medizinisch notwendig, sagt Klenk.

Jedes dritte Kind wird in Deutschland per Kaiserschnitt zu Welt gebracht. Das sei oft unnötig, sagen die Hebammen. (Foto: Flickr/jbachman01)

Jedes dritte Kind wird in Deutschland per Kaiserschnitt zu Welt gebracht. Das sei oft unnötig, sagen die Hebammen. (Foto: Flickr/jbachman01)

„Das Problem ist der Blick auf die Schwangerschaft als ein risikobehaftetes Ereignis“, so Klenk. Ärzte achteten vor allem auf mögliche Gefahren. Dadurch bekämen viele Frauen Angst und verlören das Vertrauen zu ihrem Körper. Im Gegensatz zu Ärzten konzentrierten sich Hebammen auf die Kompetenzen der Schwangeren.

„Eine normale Geburt ist ein sehr störungsanfälliger Prozess“, sagt Klenk. Daher würden Ruhe, ein Rückzugsraum, eine verlässliche Begleitperson und vor allem Zeit benötigt. Aber gerade das sei im klinischen Umfeld kaum mehr möglich. Dies zeige sich auch an der steigenden Zahl der Kaiserschnitte, mit denen der Ablauf beschleunigt werden solle.

Zudem bevorzuge das deutsche Gesundheitssystem die medizinischen Eingriffe im Kreißsaal. So erhielten die Krankenhäuser für einen Kaiserschnitt 1.000 Euro mehr als für eine natürliche Geburt. Auch gebe es Geburtsstationen, die sich erst ab einer bestimmten Anzahl von Kaiserschnitten finanziell lohnten, so die Hebammen-Präsidentin. Hier setze das Vergütungssystem falsche Anreize.

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