Hirnforschung

Forscher entwickeln Anti-Stress-Pille

Durch frühkindlichen Stress kann es zu einer Reduzierung des Strukturproteins Nectin-3 kommen, was zu einem Gedächtnisverlust führen kann. Mit dem neuen Medikament soll dieses Problem jetzt kompensiert werden können.

Nectin-3 ist eines von mehreren Molekülen, die Zellen im Gehirn miteinander verbinden. Dort ist es vor allem in Synapsen enthalten, die die Verbindung zwischen den Nervenzellen herstellen. Die negativen Auswirkungen von Stress auf die Gedächtnisleistung waren bereits bekannt. Das „Neue ist, dass wir mit Nectin-3 ein Schlüsselprotein identifizieren konnten, das die Auswirkungen von Stress auf die Qualität der Nervenzellverbindungen bestimmt“, sagte Mathias Schmidt vom Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie einem Bericht von DocCheck zufolge. Schmidt leitet eine neue Studie über die Bildung von Nectin-3 unter Stresseinwirkung.

Stress ist eine häufige Ursache für Gedächtnisverlust. Eine Pille könnte dem bald ein Ende bereiten. (Foto: Flickr/Richard Masoner / Cyclelicious)

Stress ist eine häufige Ursache für Gedächtnisverlust. Eine Pille könnte dem bald ein Ende bereiten. (Foto: Flickr/Richard Masoner / Cyclelicious)

In der Studie wurde der Gehirnstoffwechsel von gentechnisch veränderten und von normalen Mäusen verglichen. Durch die Tierversuche fanden die Forscher heraus, dass die Mäuse mit deutlichen kognitiven Defiziten weniger Nectin-3 im Hippocampus, einer für das Gedächtnis zentralen Region, vorwiesen.

Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass der bereits bekannte Stressauslöser, der sogenannte Corticotropin-Releasing Hormone (CRH)-Mechanismus, die Bildung von Nectin-3 reguliert. „Die Bedeutung des Neuropeptids CRH für die Stressregulation wurde bereits in früheren Studien ausführlich beschrieben“, so Schmidt. „Die jetzt vorliegenden Ergebnisse bestätigen diese Einschätzung und zeigen am Beispiel von Nectin-3 eine neue Ebene, über die CRH auf unsere Gehirnfunktion einwirkt.“

Die negativen Effekte des Nectin-3-Mangels konnten umgekehrt werden, indem durch gezielte genetische Manipulation der Zellen die Proteinproduktion in den noch vorhandenen Nectin-3-Zellen überproportional aktiviert werden konnte. Das hatte zur Folge, dass die Mäuse den durch Stress verursachten Verlust an Nervenzellkontakten – und damit auch die verminderte Lernfähigkeit – kompensieren konnten.

Eine mögliche Anwendung dieser Erkenntnis könne im Bereich neuer Medikamente gegen Depressionen erfolgen, so Schmidt. Die gezielte Bildung von Nectin-3 könne bei den verschiedensten psychiatrischen Krankheiten eingesetzt werden. Auch die Entwicklung von Medikamenten, die das Stressniveau gezielt senken, sei denkbar.

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