Analyse

Medikamente zu teuer: Apotheken bereichern sich an Rabatten

Bestimmte Medikamente rechnen Apotheker oft noch mit dem Originalpreis statt mit dem Rabattpreis ab. Die Krankenkassen kritisieren dieses Vorgehen, weil damit die neuen gesetzlichen Regelungen nicht eingehalten werden.

Die Krankenkassen kritisieren das Vorgehen der Apotheker, den Kunden bei Medikamenten stets den Originalpreis und nicht den Rabattpreis zu berechnen. Durch bestimmte Rabatte für neue Medikamente entsteht den Apothekern dadurch ein finanzieller Vorteil auf Kosten der Patienten.

Seit der Einführung des Gesetzes zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) 2011 gibt es immer wieder Streit zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und den Apothekern. Eigentlich sollte das Gesetz das Preismonopol der Pharmaindustrie brechen. Früher konnten die Hersteller die Preise für neue Medikamente diktieren. Mittlerweile wird in Verhandlungen mit den Krankenkassen der Mehrwert eines neuen Medikamentes im Vergleich zu bereits auf dem Markt etablierten Mitteln festgestellt.

Ist der tatsächliche Nutzen des neuen Medikamentes gering oder ist die Wirksamkeit des Medikamentes genauso gut wie die der alten Präparate, erhalten die Kassen einen Rabatt von den Herstellern. Die Medikamente werden den Apotheken zum Rabattpreis zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise sollen nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit rund zwei Milliarden Euro pro Jahr gespart werden.

Auf diese Weise sollte der Wettbewerb gestärkt und die Preise für die gesetzlich und privat Versicherten gesenkt werden. Der Plan führt jedoch ins Leere, da die Apotheken den Patienten grundsätzlich den teureren Originalpreis und nicht den Rabattpreis berechnen. Dies geht aus einem Informationsschreiben der Apotheken-Servicegesellschaft ABDATA hervor, das der FR vorliegt.

Die Mehrkosten für die Patienten schlagen sich in dem Betrag für die gesetzlich festgeschriebene Zuzahlung nieder. Kostet ein Medikament 100 Euro im Originalpreis und gibt es darauf einen Rabatt von 40 Prozent, müsste der Patient nur zehn Prozent auf den Rabattpreis (60 Euro), also sechs Euro, dazu bezahlen. Die Apotheken berechnen jedoch zehn Prozent auf den Originalpreis, also zehn Euro.

Der Kassen-Spitzenverband (GKV) kritisiert dieses Vorgehen: Der Wille des Gesetzgebers werde nicht umgesetzt. Hier würden Daten manipuliert, heißt es einem Bericht der Internetseite Heilpraxisnet zufolge. Die Kassen wollen die überzogenen Rechnungen der Apotheken nun kürzen und fordern von der Regierung eine gesetzliche Klarstellung. Die Patienten haben bis dahin keine Möglichkeit, den geleisteten Mehrbetrag zurückzuerhalten.

Ihnen bleibt nur, auf Generika-Medikamente auszuweichen, wenn dies möglich ist. Diese sind nämlich von der Zuzahlung befreit. Im Zweifel hilft die Nachfrage beim Arzt, ob es günstige Alternativ-Arzneien gibt. Seit der Einführung der von der Zuzahlung befreiten Medikamente im Jahr 2006 ist deren Zahl von 2.000 auf 5.000 Stück angestiegen.

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