Gesundheitswirtschaft

Pharmafirmen wachsen rasant: Export von Medikamenten boomt

Die deutschen Pharmaunternehmen exportieren auf Rekordniveau und wachsen bereits seit 2005 schneller als die Gesamtwirtschaft. Durch die hohe Nachfrage an Gesundheitsprodukten verbessert sich die Arbeitsmarktsituation.

Einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts WifOR zufolge konnten die Pharmaunternehmen in den letzten acht Jahren ungehindert und schneller als der Durchschnitt wirtschaften. Der Gesamtwert der im Produktionsprozess erzeugten Waren und Dienstleistungen (Bruttowertschöpfung) stieg bei ihnen um 6,6 Prozent. Die Bruttowertschöpfung der deutschen Wirtschaft stieg insgesamt um 2,2 Prozent. Analysiert wurden die Unternehmen von Bayer HealthCare AG, Boehringer Ingelheim Pharma, Fresenius, Grünenthal, Merck, Roche Holding und Sanofi-Aventis Deutschland.

Entwicklung der Bruttowertschöpfung der sieben größten deutschen Pharmafirmen von 2005 bis 2010. (Grafik: BDI/Destatis)

Entwicklung der Bruttowertschöpfung der sieben größten deutschen Pharmafirmen von 2005 bis 2010. (Grafik: BDI/Destatis)

Dabei musste Bayer in den letzten Wochen in Rechtsstreiten mit indischen und US-amerikanischen Behörden Niederlagen einstecken: Dem Pharmariesen wurde in diesen Ländern das Patentrecht einiger Medikamente aberkannt, was es Generika-Herstellern erlaubt, billigere Produkte auf den jeweiligen Landesmärkten in Umlauf zu bringen. Bayer könnte somit in den nächsten Jahren auf diesen Märkten mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen haben.

Nach wie vor ist der Export von Arzneimitteln der treibende Faktor für die Wirtschaftskraft der Pharmaunternehmen: „Ein Großteil der erzielten Bruttowertschöpfung ist auf die Exportstärke der ausgewählten Unternehmen zurückzuführen“, heißt es in der WifOR-Studie. Die Exportquote lag im Untersuchungszeitraum von 2005 bis 2010 um fast ein Drittel höher als im Verarbeitenden Gewerbe (29,2%). Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung betragen im Schnitt fast zehn Prozent der innerbetrieblichen Ausgaben (1,9 Milliarden Euro) pro Jahr.

„Der Gesundheitssektor entwickelt sich zu einem der wichtigsten Zukunftsmärkte“, heißt es in dem Strategischen Programm des BDI-Ausschusses für Gesundheitswirtschaft. Die Nachfrage nach Gesundheitsprodukten steige. Der wissenschaftliche Fortschritt beeinflusse das Wohlbefinden der Menschen. „Deutschland soll von dieser Entwicklung überproportional profitieren“, so der BDI einem Bericht des Ärzteblattes zufolge.

Auch die Beschäftigungsentwicklung sei positiv. „Die direkte Beschäftigung wuchs im Zeitraum von 2005 bis 2010 um durchschnittlich 1,3 Prozent pro Jahr (Volkswirtschaft 0,8%).“ Der Multiplikationsfaktor sei dabei von besonderer Bedeutung: Ein „neuer Arbeitsplatz in den Unternehmen der industriellen Gesundheitswirtschaft“ schaffe „zweieinhalb weitere Arbeitsplätze in anderen Bereichen der Volkswirtschaft“.

Das Gesundheitssystem müsse jedoch nach dem Prinzip der sozialen Marktwirtschaft organisiert werden. Es müsse dereguliert werden, um den Wettbewerb zu fördern und die Forschung zu modernisieren. Das werde dazu führen, dass Innovationen den Patienten schneller zur Verfügung stünden, fordert der BDI.

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