Alkohol

Bars in Wohnungsnähe erhöhen das Todesrisiko

Je mehr Lokale man in der Nähe seiner Wohnung hat, desto anfälliger ist man für alkoholbedingte Erkrankungen: Ein hoher Alkoholkonsum kann die Psyche belasten sowie Organschäden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs verursachen.

Das Leben in Vierteln mit vielen Bars und Restaurants kann abwechslungsreich und spannend sein – aber auch kürzer. Das Risiko, an alkoholbedingten Krankheiten zu sterben, steigt nämlich mit der Dichte an Lokalen rund um den eigenen Wohnort. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor.

Spezialisten an der Universität Bern führten eine entsprechende Vergleichsuntersuchung durch. Ihnen lagen 10.878 Todesmeldungen im Zusammenhang mit alkoholbedingten Erkrankungen aus den Jahren 2000 bis 2008 vor. Diese ordneten sie den Wohnsitzdaten aus der Schweizer Volkszählung im Jahr 2000 zu. Danach verglichen sie die Anzahl der Schankhäuser im Umkreis von einem Kilometer zum Wohnort und die Gehzeit zur nächstgelegenen dieser Ausgabestellen.

Wer in Gegenden mit einer hohen Kneipendichte wohnt, hat ein höheres Risiko, an einer alkoholbedingten Krankheit zu sterben. (Foto: Flickr/Douglas Palmer)

Wer in Gegenden mit einer hohen Kneipendichte wohnt, hat ein höheres Risiko, an einer alkoholbedingten Krankheit zu sterben. (Foto: Flickr/Douglas Palmer)

Mit Hilfe dieser Methode konnte das Team rund um Forschungsleiter Matthias Egger feststellen, ob das Vorhandensein von Bars, Restaurants und Hotels in der Nachbarschaft das Risiko steigert, an einer alkoholbedingten Erkrankung zu sterben. Das Ergebnis: Beide Kriterien (Anzahl und Reichweite) erhöhen die Wahrscheinlichkeit. „Interessanterweise wirkt sich schon eine leicht größere Distanz zur nächsten Bar positiv auf das Sterberisiko aus“, sagte Egger den DocCheck News.

Das Resultat ist um mögliche verzerrende Einflussgrößen bereinigt. Individuelle Risikofaktoren wie Beschäftigung, Bildung und Familienstand wurden ebenso herausgerechnet wie geographische Merkmale, etwa urbane oder ländliche Umgebung, Sprachregion und sozioökonomischer Status der Nachbarschaft.

Es gibt jedoch auch Einschränkungen. Denn der tatsächliche Alkoholkonsum von Einzelpersonen hängt auch mit dem Kauf von entsprechenden Getränken in Supermärkten und Tankstellenshops zusammen. Aufgrund fehlender Daten konnte dies ebenso wenig berücksichtigt werden wie ein möglicher Zuzug von Personen mit Alkoholproblemen in Viertel mit hoher Ausschankdichte.

Das Risiko, an einer alkoholbedingten Erkrankung statt an einer anderen Ursache zu sterben, steige zwar mit einer höheren Konzentration von Alkoholverkaufsstellen um den Wohnsitz tatsächlich an, so Studienleiter Egger. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Bardichte und einer höheren Sterberate kann deshalb jedoch nicht unterstellt werden, sagte er.

Durchschnittlich 11,5 Liter reiner Alkohol pro Kopf und Jahr werden in der Schweiz konsumiert. Damit liegt das Land unter den Top 20 in der weltweiten Rangliste der Weltgesundheitsorganisation WHO. Es ist ein bedenklicher Spitzenplatz: Mehr als 20 verschiedene Krankheiten werden heute mit erhöhtem Alkoholkonsum in Verbindung gebracht. Darunter finden sich psychische und neurologische Erkrankungen ebenso wie Organschäden, Herz-Kreislauferkrankungen sowie Krebs.

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