Therapie

Das Ende der Samenspende in Deutschland?

Die Aufhebung der Anonymität der Spender könnte zu Engpässen in den deutschen Samenbanken führen. Bisherige Studien aus anderen Ländern ergeben jedoch, dass Beratungsgespräche helfen können, Ängste abzubauen. Denn häufig bestehe die Sorge, Spenderkindern gehe es um Geld.

Kinder, die mithilfe künstlicher Befruchtung gezeugt wurden, haben das Recht zu wissen, wer ihr biologischer Vater ist. So hat es das Oberlandesgericht Hamm entschieden. Dies könnte die Ära der Samenspende in Deutschland beendet haben.

Die Zahl der nun erwachsenen Spenderkinder wird zunehmend größer. Doch nur wenige wissen, von wem sie abstammen. „Abstammung (…) legt die genetische Ausstattung des Einzelnen fest, prägt seine Persönlichkeit und nimmt auch im Bewusstsein des Einzelnen eine Schlüsselstellung für Individualitätsfindung und Selbstverständnis ein“, zitiert DocCheck News aus dem Urteil des OLG Hamm.

In Deutschland hat jedes Kind das Recht zu erfahren, mit wessen Sperma es gezeugt wurde. (Foto: Flickr/gniliep)

In Deutschland hat jedes Kind das Recht zu erfahren, mit wessen Sperma es gezeugt wurde. (Foto: Flickr/gniliep)

Auch viele Menschen, die auf herkömmliche Weise gezeugt wurden, kennen ihre Väter nicht. Doch die künstliche Befruchtung macht die Lage noch komplizierter. Denn sowohl die sozialen Eltern als auch der Samenspender kommen ins Spiel.

Halbgeschwister können in der Familie des Spenders selbst, aber auch bei weiteren Paaren existieren. Aus diesem Grund gibt es auch in vielen Ländern eine maximale Anzahl von Kindern, die von einem Spender gezeugt werden dürfen. Denn sonst könnte es zum unwissentlichen Inzest kommen.

Neben dem Interesse für die genetischen Wurzeln spielt für einige Spenderkinder auch die Sorge um genetisch übertragbare Erkrankungen eine Rolle. In Deutschland dürfen nur heterosexuelle Paare den Weg der Samenspende gehen. In anderen Ländern ist dies auch Singlefrauen und lesbischen Paaren gestattet.

Die Aufhebung der Anonymität des Spenders ist nicht nur in Deutschland Thema. In einigen Ländern ist die offizielle Aufhebung der Anonymität bereits erfolgt. Schweden machte bereits 1985 den Anfang. Auch in den Niederlanden, Österreich und Großbritannien haben die Kinder von Samenspendern das Recht, die Identität ihres Vaters zu erfahren. In den USA können Spender und Empfänger wählen, ob sie eine anonyme Spende bevorzugen oder die Identität offenlegen. In Italien ist die künstliche Befruchtung verboten.

In Deutschland hat es nie eine gesetzlich verbindliche Regelung für ein Recht auf Anonymität des Spenders gegeben. Meist wurden entsprechende Vereinbarungen zwischen Samenbanken und Spendern getroffen. Diese haben jedoch vor Gericht bei berechtigtem Interesse des Kindes an der Herkunft seines Vaters keinen Bestand.

Im Jahr 1989 gab es ein erstes Gerichtsurteil, in dem einem Kind das Recht zugesprochen wurde, seine genetische Herkunft zu erfahren. Seitdem gab es immer wieder Rechtsprechungen zugunsten von Betroffenen, die ihren Vater nicht kannten. Das Auskunftsrecht des Kindes wiegt meist schwerer als die betroffenen Persönlichkeitsrechte des Vaters.

Nach dem Urteil des OLG Hamm werden nun Engpässe bei den Spendersamen erwartet. Dazu gibt es bereits Erfahrungen aus anderen Ländern, die einen ähnlichen Prozess durchlaufen haben. So gingen etwa in Schweden nach Aufhebung der Anonymität die Spenden zurück. Erst zehn Jahre später gab es wieder einen Anstieg.

Auch in Großbritannien, wo 2005 die Aufhebung der Spenderanonymität beschlossen wurde, ging die Zahl der künstlichen Befruchtungen deutlich zurück. Die Zahl der Spender ging 2007 weiter massiv zurück, da in diesem Jahr die finanzielle Entlohnung für Spender verboten wurde. Inzwischen hat sich die Zahl der Spender seit 2005 wieder nahezu verdoppelt.

Studien weisen darauf hin, dass trotz Aufhebung der Anonymität Samenspender gewonnen werden können, wenn sie besser über die Rechtslage aufgeklärt werden. Beratungsgespräche können zu einer Verringerung von Ängsten führen. So besteht oft die Sorge, den Spenderkindern gehe es darum, Geld von ihren genetischen Vätern zu erhalten. Dabei fordert der Verein Spenderkinder selbst politische Regelungen zum entsprechenden Schutz der biologischen Väter.

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