Diagnose

Bluttest kann Wirkung von Antidepressiva vorhersagen

Antidepressiva können nur dann wirksam sein, wenn ein bestimmter Genabschnitt beim Patienten die nötige Struktur aufweist. Wissenschaftler fanden jetzt heraus, wie sich die Wirksamkeit von Antidepressiva mithilfe einer Blutuntersuchung deutlich früher feststellen lässt.

Antidepressiva sind nicht bei jedem Patienten wirksam. Ob die Therapie anspricht oder nicht, lässt sich erst nach mehreren Wochen feststellen. Deutsche Wissenschaftler haben nun einen Weg gefunden, wie sich die Wirksamkeit von Antidepressiva mithilfe einer Blutuntersuchung deutlich früher in Erfahrung bringen lässt.

Wissenschaftler aus Hannover und Mainz untersuchten einen speziellen Genabschnitt, zitiert DocCheck News aus dem Fachmagazin Psychiatriejournal Molecular Psychiatry. Dieser Abschnitt ist für die Bildung des Wachstumsproteins BDNF (Brain-derived-neurotrophic-factor) zuständig. Depressive haben weniger von dem Protein im Blut als Gesunde.

Ob Antidepressiva wirken, kann mithilfe einer Blutuntersuchung festgestellt werden. (Foto: Flickr/Teeejayy)

Ob Antidepressiva wirken, kann mithilfe einer Blutuntersuchung festgestellt werden. (Foto: Flickr/Teeejayy)

Zunächst stellten die Forscher fest, dass bei Patienten, denen ein Antidepressivum hilft, die Konzentration des BDNF-Proteins im Blut nach einer Woche gestiegen war. Daraufhin untersuchten sie das für die Bildung von BNDF zuständige Gen. Sie beobachteten, dass bei einigen Patienten eine Methylgruppe an den Genabschnitt angehängt war.

Nur bei den Patienten mit dieser Methylgruppe stieg die BDNF-Konzentration im Blut bei Einnahme eines Antidepressivums an. Daher zeigte das Antidepressivum auch nur bei diesen Patienten eine Wirkung. „Diese Methylgruppe entscheidet, ob das Gen abgelesen wird oder nicht – dieser sogenannte epigenetische Mechanismus reguliert die Genaktivität“, sagte Helge Frieling von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Bei den Patienten, an deren BDNF-Gen eine Methylgruppe angehängt war, lag die Wahrscheinlichkeit, dass ihnen ein Antidepressivum hilft, bei 60 Prozent. „Ob die Wirkung von der Art des Antidepressivums abhängt, werden wir in einer Folgestudie genauer untersuchen“, so Frieling. Nun sollen weitere epigenetische Biomarker gefunden werden, um die Vorhersage des Therapieerfolgs noch zu verbessern.

Rund einem Drittel der Depressiven hilft das erste Antidepressivum, das sie einnehmen. Bei jedem weiteren Präparat sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass es hilft. Etwa einem Viertel aller Depressiven können Antidepressiva überhaupt nicht helfen. Die Medikamente unterstützen das Wachstum von Nervenzellen im Gehirn und die Bildung der Synapsen, welche die Nervenzellen verknüpfen.

In Deutschland leiden circa vier Millionen Menschen an Depressionen. Das sind fünf Prozent der Bevölkerung. Damit zählt die Depression ebenso wie beispielsweise Diabetes oder Bluthochdruck zu den so genannten Volkskrankheiten. Die Weltgesundheitsorganisation hat festgestellt, dass bei keiner anderen Erkrankung die Lebensqualität derartig eingeschränkt ist wie bei einer Depression.

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