Umwelt

Schlickgras: Giftiger Parasit an der Nordsee entdeckt

Das Schlickgras an der Nordsee ist von Mutterkorn befallen. Dieser hochgiftige Pilz ist für Kleinkinder lebensgefährlich. An Roggen, bei dem der Pilz weniger Mutterkorn-Alkaloide aufweist, kann das Gift bisher gut bekämpft werden.

Mitarbeiter des Instituts für Botanik an der Leibniz Universität Hannover haben bei Forschungsarbeiten an der Nordseeküste einen giftigen Parasiten gefunden. Dieser Pilz, auch Mutterkorn genannt, befällt normalerweise vor allem Roggen. Die Forscher fanden nun aber beim Schlickgras, das in Küstennähe wächst, Überwinterungsorgane des Pilzes. Diese sind noch giftiger als der eigentliche Pilz, der bisher nur bei Getreide gefunden wurde.

Nahezu überall an den Rispen des Schlickgrases in der Salzmarsch am Jadebusen fanden die Forscher „violett-schwarz schillernde sporenartige Gebilde“, teilte die Leibniz Universität Hannover mit. „Dass Claviceps auch Schlickgras besiedelt, war uns neu“, so Botanik-Professorin Jutta Papenbrock. Bei weiteren Untersuchungen fanden Mitarbeiter des Instituts Überwinterungsorgane (Sklerotien) des Pilzes an der gesamten Wattenmeerküste von Dänemark bis zu den Niederlanden.

Schlickgras findet man von der Küste bis hoch zu den Deichen. (Foto: Flickr/jeff_w_brooktree)

Schlickgras findet man von der Küste bis hoch zu den Deichen. (Foto: Flickr/jeff_w_brooktree)

Mutterkorn, Claviceps purpurea, kann beispielsweise beim Roggen dank des Siebens von Getreide gut bekämpft werden. Dem Institut zufolge stellt es in der konventionellen Landwirtschaft deshalb heute keine Gefahr mehr dar. Doch die Untersuchungen zu dem Pilz, der am Schlickgras gefunden wurde, haben beunruhigende Ergebnisse zutage gebracht: „Es kam heraus, dass die Konzentrationen der giftigen Mutterkorn-Alkaloide sogar höher waren als beim Roggen-Mutterkorn“, so Papenbrock. „Mehrere der Sklerotien können ein Kleinkind töten.“

Schlickgras findet man von der Küste bis hoch zu den Deichen. Tiere und Kinder können demzufolge leicht mit dem Pilz in Kontakt kommen. „Wir haben unsere Erkenntnisse den zuständigen Ämtern und der Nationalparkverwaltung mitgeteilt“, sagt Papenbrock. Rückmeldungen seien bisher allerdings kaum gekommen. Aber „um weiter in dem Bereich forschen zu können, brauchen wir fachliche und finanzielle Unterstützung“. Auch in Frankreich und Belgien wurden die Sklerotien des Mutterkorn-Pilzes gefunden. Versuche, durch Mähen oder Verbrennen des Schlickgrases den Pilz einzudämmen, waren bisher erfolglos.

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