Medizintechnik

Mobile Gesundheits-Checks aus der Hosentasche

Diagnose-Software auf mobilen Geräten wird die Medizin ähnlich revolutionieren wie einst die Etablierung von Antibiotika. Solche Geräte können den Arzt-Besuch, etwa bei einem Harn- oder Speicheltest, ergänzen.

Neue Geräte zur Diagnose des Gesundheitszustandes lassen Erinnerungen an so manche „Star Trek“-Folge wach werden: Mit ihrem „Tricorder“ konnten die Crewmitglieder in Sekundenschnelle Vitalparameter und andere physikalische Größen messen. Ein Unternehmen in den USA hat nun eine Vorstufe des Wunderkastens entwickelt.

Das handliche Gerät nennt sich „Scanadu Scout“ und kann verschiedene Werte wie Blutdruck, Körpertemperatur, Puls, Atemfrequenz oder Blutsättigung bestimmen. Per Bluetooth werden die Daten zur Auswertung an ein Smartphone oder ein anderes mobiles Endgerät gesendet, berichtet DocCheckNews. „Wir erleben in allen Bereichen unseres Lebens eine immer stärkere Personalisierung, nur nicht beim Arztbesuch“, sagt Walter De Brouwer, Chef der Entwicklungsfirma Scanadu. „Schließlich gehen Patienten, sobald sie genesen sind, wieder bis zur nächsten Erkrankung auf Tauchstation. Vitalparameter werden in dieser Zeit nicht erfasst.“

Mobile Diagnose-Geräte gewinnen an Bedeutung: Was der Tricorder für die Star Trek-Crew war, ist heute das Smartphone. (Foto: Flickr/JD Hancock)

Mobile Diagnose-Geräte gewinnen an Bedeutung: Was der Tricorder für die Star Trek-Crew war, ist heute das Smartphone. (Foto: Flickr/JD Hancock)

Zusammen mit einem interdisziplinären Team hat De Brouwer deshalb einen „Tricorder“-Prototypen entwickelt, der kaum größer als eine Streichholzschachtel ist. Die Patienten halten ihr Gerät mit zwei Fingern an die Stirn und aktivieren ausgeklügelte Sensoren. „Sie bekommen den kompletten Datensatz einer Notfalleinrichtung in zehn Sekunden auf ihr Handy“, so De Brouwer. Trotzdem werde das Gerät Ärzte keineswegs überflüssig machen. Vielmehr seien neue Impulse für die Telemedizin zu erwarten. Viele Hersteller von Diagnose-Software haben eine vereinfachte Datenauswertung in Arztpraxen und eine engmaschigere Patientenkontrolle zum Ziel. Auch ließen sich unnötige Konsultationen verringern, womit Ärzte mehr Zeit für dringendere Fälle hätten.

Die Wissenschaftler haben auch schon weitere Pläne für mobile Anwendungen. Zum einen soll ein Harntest, der mit der Genauigkeit medizinischer Labors arbeitet, entwickelt werden. Zum anderen stellt ein Speicheltest Erreger wie Influenza A, B sowie Streptokokken fest. Und auch in Deutschland wird an entsprechenden Anwendungen geforscht.

Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin wollen beispielsweise Leber-OPs sicherer machen. Planungsdaten aus vorher erstellten Computertomographie-Aufnahmen werden zu diesem Zweck mit Live-Bildern des realen Organs bei der Operation überlagert. Aufgenommen werden diese per iPad, auf dem dann auch angezeigt wird, wo sich das nächste Blutgefäß befindet. Damit kann der Blutverlust der Patienten erheblich vermindert werden.

In den USA will man Erfolge wie diese über Social-Media-Kanäle an eine größere Zielgruppe kommunizieren. So wurden bereits OPs am offenen Herzen und am Gehirn über Twitter live übertragen. Die Bereitschaft von Patienten, solche schwerwiegenden Eingriffe in aller Öffentlichkeit zu zeigen, ist durchaus überraschend. Und das gerade in Zeiten, in denen das Thema Datenschutz immer heißer diskutiert wird.

Zuverlässigkeit und Sicherheit von Medizin-Apps für die Selbstdiagnose sind jedoch nicht unumstritten. Vor allem bei der Beurteilung schwerwiegender Krankheiten wird der Arztbesuch damit auch in Zukunft alles andere als obsolet.

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