Analyse

Behandlungsfehler: Mehr Ärzte unter Verdacht

Circa 12.000 Patienten beschwerten sich 2012 über ihre ärztliche Behandlung – zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. In 30 Prozent der bearbeiteten Fälle konnten den Ärzten auch tatsächlich Fehler nachgewiesen werden.

Die Zahl der nachgewiesenen Behandlungsfehler in Arztpraxen und Krankenhäusern hat sich im vergangenen Jahr kaum verändert. Die Zahl der Anträge auf Begutachtung bei den Schlichtungsstellen hat hingegen deutlich zugenommen.

Im vergangenen Jahr kamen circa 12.000 Patienten mit dem Verdacht auf Behandlungsfehler zu den Gutachterstellen der Ärzteschaft. Davon wurden 7.578 bearbeitet und entschieden. In 1.889 Fällen wurden Behandlungsfehler als Ursachen von Schädigungen der Patienten ausgemacht, berichtet die Bundesärztekammer (BÄK).

Zudem seien in weiteren 391 Fällen ärztliche Fehler aufgedeckt worden, die allerdings nicht im Zusammenhang mit der vom Patienten eigentlich beanstandeten Behandlung standen. Das heißt, bei insgesamt circa 30 Prozent aller bearbeiteten Anträge lagen auch tatsächlich Ärztefehler vor.

Die Antragszahlen sind gegenüber dem Jahr 2011 um zehn Prozent gestiegen. Dies sei möglicherweise auf die öffentliche Diskussion um das Patientenrechtegesetz zurückzuführen, zitiert die ÄrzteZeitung Andreas Crusius, den Präsidenten der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern. Denn die Zahl der tatsächlich aufgedeckten Ärztefehler hat kaum zugenommen.

Gemessen an der Zahl von 540 Millionen Behandlungsfällen bei Vertragsärzten und 18 Millionen Krankenhausbehandlungen sei die Zahl der Beanstandungen aber immer noch gering, so die Vertreter der Schlichtungsstellen.

Die Arbeit der rund 35.000 Hausärzte war 322 Mal Gegenstand eines Verfahrens in den Schlichtungsstellen. In etwa einem Drittel dieser Fälle entschieden die Gutachter auf Behandlungsfehler. Bei den niedergelassenen Ärzten liegen Fehlbehandlungen von Brustkrebs mit 25 Fällen an der Spitze.

Im stationären Sektor gab es bei Unterschenkel- und Sprunggelenkfrakturen mit 70 Fehlbehandlungen die größte Häufigkeit von festgestellten Behandlungsfehlern, so die BÄK. 2012 seien 82 Menschen aufgrund von Behandlungsfehlern gestorben – vor allem in den Kliniken, wo die schwereren Fälle behandelt würden.

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