Arzneimittel

Professor verkauft seine Pillen im Internet

Die Bürokratie bei der Zulassung wurde dem Mediziner zu viel. Deshalb verkauft er sein Medikament zur Prävention von Herzinfarkten nun ohne offizielle Zulassung im Internet. Es liegt im Ermessen der Ärzte, es dennoch zu verschreiben.

Ein Medizinprofessor, dem die bürokratischen Hürden zu viel wurden, verkauft nun seine Polypillen im Internet. Es handelt sich um ein Medikament zur Herzinfarkt-Prävention für gesunde Menschen.

Sir Nicholas Wald von der Londoner Queen-Mary-Universität hat eine britische Webseite autorisiert, eine Pille zu verkaufen, für die er ein Patent besitzt. Diese Polypille kombiniert verschiedene zugelassene Mittel zur Senkung des Cholesterinspiegels und des Blutdrucks. Auf diesem Weg soll die Verschreibung der Arznei ermöglicht werden, berichtete die FT.

Die Gründe, die letztlich zu Professor Walds Entscheidung für den Verkauf im Internet führten, haben auch schon andere Forschungsgruppen frustriert. Dabei wurde immer bemängelt, die bestehenden Regeln stünden dem allgemeinen Gebrauch billiger, sicherer und wirksamer Medikamente im Wege, die eine große Zahl von Herzinfarkten und Schlaganfällen verhindern könnten.

Professor Nicholas Wald verkauft seine Polypillen im Internet, da ihm die Bürokratie zu viel wurde. (Foto: Flickr/Life Mental Health)

Professor Nicholas Wald verkauft seine Polypillen im Internet, da ihm die Bürokratie zu viel wurde. (Foto: Flickr/Life Mental Health)

„Unser Hauptziel ist die Primärprävention in der allgemeinen Bevölkerung“, sagte Wald. Es sei extrem schwierig, eine Lizenz dafür zu bekommen. Denn man brauche klinische Versuche, die die Wirksamkeit und Sicherheit jedes einzelnen Bestandteils und der Kombination zeigten. „Dies ist so schwierig, dass es in der Praxis unmöglich ist“, so der Professor.

Die in der Polypille enthaltenen Arzneien sind seit langem zugelassen und bereits von Millionen Patienten zur Sekundärprävention eingesetzt worden, um also die Wiederholung eines Herzinfarktes oder eines Schlaganfalles zu verhindern.

Studien zeigen, dass die Kombination auch wirksam zur Primärprävention eingesetzt werden könnte, also für Patienten, die noch keinen Herzinfarkt und noch keinen Schlaganfall hatten, doch zur Risikogruppe gehören. Im Prinzip kommt jeder über 50 Jahren ohne andere medizinische Komplikationen infrage.

Weder die genaue Anwendung der Arznei noch ihr Hersteller haben die üblichen Zulassungsprozeduren bei der zuständigen Behörde durchlaufen. Die Verkäufe im Internet sind nach der Konsultation eines Online-Arztes dennoch möglich. Denn Ärzte können Medikamente nach Ermessen auch für Anwendungen verschreiben, die über deren eigentliche Zulassung hinausgehen.

Das heißt, Walds Polypillen können zur Primärprävention verschrieben werden, obwohl sie gar nicht offiziell zugelassen sind. Die Pille soll über das Internet nicht nur innerhalb von Großbritannien, sondern etwa auch nach Deutschland verkauft werden.

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