Studie

Sportsucht: Gefährliches Training unter großen Schmerzen

Besonders jüngere Athleten und all jene, die über einen langen Zeitraum sehr viel trainieren, neigen zur Sportsucht. Sie vernachlässigen ihre sozialen Verpflichtungen, weil sie immer mehr Sport brauchen.

Sportsüchtige riskieren nicht nur den Kontrollverlust, sondern setzen auch ihre Gesundheit aufs Spiel. Vor allem Ausdauersportler laufen Gefahr, an einer Sportsucht zu erkranken.

„Immerhin 4,5 Prozent der untersuchten Sportlerinnen und Sportler waren sportsuchtgefährdet“, zitiert DocCheck News den an der Studie beteiligten Sportpsychologen Heiko Ziemainz von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Besonders gefährdet seien jüngere Athleten, Triathleten und all jene, die sehr viel und über einen langen Zeitraum trainieren. „Sie wollen eine positive Stimmung aufrechterhalten”, sagte Ziemainz.

Die Grenze zwischen sportlichem Ehrgeiz und Sportsucht ist fließend. (Foto: Flickr/Rennett Stowe)

Die Grenze zwischen sportlichem Ehrgeiz und Sportsucht ist fließend. (Foto: Flickr/Rennett Stowe)

Gegenüber den früheren Untersuchungen der Sportsucht unterscheiden die Autoren der Erlanger Studie erstmals zwischen Sportsucht und Sportsuchtgefährdung. Sportsüchtige missachten körperliche Signale und trainieren auch dann weiter, wenn sie unter großen Schmerzen leiden. „Diese Menschen müssen zwingend therapiert werden“, so der Sportpsychologe.

Ein weiteres Indiz für Sportsucht sei die Vernachlässigung sozialer Verpflichtungen. „Sie tolerieren etwa, dass ihre Ehe in die Brüche geht oder dass sie ihr soziales Umfeld nicht mehr wahrnehmen, weil sie immer mehr Sport brauchen.“ Der Ausdauersport werde für Sportsüchtige zum zentralen Motiv. „Das Verhalten kontrolliert die Person, nicht umgekehrt.“

Ähnlich wie Raucher oder Alkoholiker leiden auch Sportsüchtige unter Entzugserscheinungen. Sie befinden sich etwa in einer depressiven Stimmung, verspüren innere Unruhe oder berichten von Schlaflosigkeit.

Anders verhalten sich jene Ausdauersportler, die als sportsuchtgefährdet eingestuft werden. „Diese haben die Kontrolle noch nicht verloren und achten noch auf körperliche Symptome“, sagte Ziemainz. Die Grenzen zwischen dem normalen ehrgeizigen Sportler und dem suchtgefährdeten seien fließend.

Die sogenannte sekundäre Sportsucht tritt häufig in Verbindung mit Essstörungen auf. Hier möchten die Sporttreibenden ihre Figur oder ihr Gewicht kontrollieren oder verändern. So kann sich etwa eine Sportsucht entwickeln, wenn junge Frauen trotz normalem BMI mit ihrer Figur unzufrieden sind.

Die Gefährdung durch Sportsucht dürfe nicht unterschätzt werden, so Ziemainz. Sportsuchtgefährdung scheine zudem mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen zusammenzuhängen. Als Gründe für ein exzessives Sporttreiben nennt der Psychologe etwa ein negatives Selbstwertgefühl, Zwanghaftigkeit oder den Hang zum Perfektionismus.

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