Terrorismus

Beschwerde über Wasserqualität kann als Terrorismus gelten

Seit Monaten beschweren sich die Bewohner von Maury County über die schlechte Wasserqualität. Einige sind bereits erkrankt. Deshalb wurde ein Staatsbeamter von Tennessee zu Gesprächen über die Wasserqualität eingeladen. Doch statt Hilfe anzubieten, warnte dieser die Einwohner davor, sich gut zu überlegen, ob sie wirklich Beschwerde einreichen wollen. Das könnte nämlich als terroristischer Akt angesehen werden

Wehe, man beschwert sich in den USA über die Qualität des Wassers. Mit solchen Kleinigkeiten wollen die Behörden nicht genervt werden. (Foto: Flickr/moonlightbulb)

Wehe, man beschwert sich in den USA über die Qualität des Wassers. Mit solchen Kleinigkeiten wollen die Behörden nicht genervt werden. (Foto: Flickr/moonlightbulb)

Im Zuge der PRISM-Affäre rückt das Thema Überwachung und Terrorismus immer stärker in den Fokus der amerikanischen Bürger. Es ist nicht schwer, sich in den USA verdächtig zu machen. Schon eine Beschwerde über die Qualität des Trinkwassers kann ausreichen, wie sich im Landkreis Maury County, Tennessee Ende Mai zeigte.

Monatelang hatten sich die Bewohner von Maury County über die schlechte Wasserqualität beschwert. Manche Kinder seien sogar vom Wasser krank geworden, berichtete die USA Today. Bei einem Treffen  zwischen dem stellvertretenden Direktor der Abteilung Umwelt- und Naturschutz in Tennessee, Sherwin Smith, und der ortsansässigen Bürgerinitiative kam es dann zu einer interessanten Aussage.

Teile der Besprechung wurden von Teilnehmern im Audio-Format aufgenommen:

Sherwin Smith: „Wir nehmen die Wasserqualität sehr ernst. Sehr, sehr ernst. Aber Sie müssen sicherstellen, dass Sie bei der Einreichung einer Beschwerde über die Wasserqualität eine wirkliche Grundlage [für diese Beschwerde] haben. Denn, wenn es keine Qualitätsprobleme beim Wasser gibt, kann dies auf Bundesebene unter der Homeland Security als terroristischer Akt angesehen werden.“

Geschockt von den Worten des Beamten bat ein Zuhörer Sherwin Smith: „Können Sie das bitte noch einmal sagen?“ Und Smith wiederholte nahezu identisch das zuvor Gesagte.

Die Abteilung für Umwelt- und Naturschutz von Tennessee sagte der USA Today, sie wolle den Vorfall prüfen. Und Sherwin Smith stünde für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. „Mir wurde gesagt, dass das Treffen viel länger war als der Audio-Clip und dass Smith tatsächlich seine Bemerkungen erläutert habe“, so die Sprecherin Meg Lockhart.

Angesichts der Tatsache, dass schon die Verwendung des Begriffs Zombie im Internet ausreicht, um sich in den USA als Extremist verdächtig zu machen, ist der Vorfall nicht verwunderlich. Auf diese Weise kann man den Bewohnern von Gemeinden auch eindrücklich klarmachen, dass sie den Staat bzw. die Behörden besser nicht mit solchen „Kleinigkeiten“ belästigen sollten.

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