Fischfang

EU: Zuchtlachs darf mehr Pestizid enthalten

Die EU hat den Grenzwert für das Pestizid Endosulfan in Zuchtlachs deutlich angehoben. Laut WHO bestehe keine Gefahr für die Gesundheit. Kritiker fürchten dagegen die negative Wirkung des Gifts auf das Hormonsystem

Die EU-Kommission hat den Grenzwert für Endosulfan in Zuchtlachs auf das Zehnfache erhöht. Vor allem Norwegen, der größte Lachsexporteur der Welt, war gegen den bisherigen strengeren Grenzwert.

Der Grenzwert für das Pestizid Endosulfan im Zuchtlachs ist von der EU-Kommission auf das Zehnfache erhöht worden. (Foto: Flickr/Andrea Pokrzywinski)

Der Grenzwert für das Pestizid Endosulfan im Zuchtlachs ist von der EU-Kommission auf das Zehnfache erhöht worden. (Foto: Flickr/Andrea Pokrzywinski)

Bisher war der Verkauf verboten, wenn der Fisch mehr als 0,005 Milligramm Endosulfan pro Kilogramm enthielt. Nun dürfen bis zu 0,05 Milligramm enthalten sein, berichtet die österreichische Tageszeitung Standard. Die norwegische Lebensmittelbehörde sagte, dass diese Anhebung des Grenzwertes von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Zuchtindustrie sei.

Das Pestizid Endosulfan soll sich negativ auf das Hormonsystem auswirken und die Fortpflanzungsfähigkeit des Menschen und die Entwicklung von Föten beeinflussen. In Südwestindien wurde es für Fälle von Missbildungen und Erkrankungen verantwortlich gemacht. Zudem soll es das große Fischsterben im Rhein ausgelöst haben.

Der Einsatz des Pestizids ist in 80 Ländern der Welt verboten. Seit 2011 steht Endosulfan auf der Liste der Stockholmer Konvention. Damit tritt stufenweise ein weltweites Herstellungs- und Anwendungsverbot in Kraft.

Auf die Gesundheit der Konsumenten habe dieser Schritt keine Auswirkung, so die EU. Denn die akzeptable Tagesdosis liege laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei 0,006 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Das bedeutet, dass ein Mensch mit 60 Kilogramm Körpergewicht 0,36 Milligramm Endosulfan pro Tag zu sich nehmen kann. Selbst wenn der Fisch tatsächlich mit 0,05 Milligramm pro Kilogramm belastet wäre, könnte dieser Erwachsene 7,2 Kilogramm Fisch pro Tag essen.

Waltraud Novak von der österreichischen Umweltorganisation Global 2000 kritisiert die Anhebung des Grenzwerts. Die Leiterin des Pestizidreduktionsprogramms sagte, dass Endosulfan im Verdacht stehe, das Gleichgewicht des Hormonsystems zu stören. Es sei bereits in sehr kleinen Mengen giftig. Deshalb treffe der Satz „Die Dosis macht das Gift“ hier nicht zu, so Novak. „Man weiß in Wahrheit zu wenig, um überhaupt einen Grenzwert festzulegen.“

Das norwegische Ernährungsinstitut Nifes sieht dagegen keine gesundheitlichen Gefahren durch die erhöhten Grenzwerte. Es wirbt sogar dafür, dass Schwangere und Kinder mehr Meerestiere essen sollten.

Im Gegensatz zu Frischfisch wird die Herkunft von Fisch in verarbeiteten Produkten oft nicht ausgewiesen. „In vielen verarbeiteten Produkten, Schlemmerfilets oder Nudeln mit Lachs, befindet sich Fisch, dessen Herkunft nicht deklariert ist“, sagte Claudia Sprinz von Greenpeace Österreich. Der Pferdefleischskandal habe den Menschen bewusst gemacht, wie wenig sie über verarbeitete Produkte wüssten.

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  1. Es handelt sich nicht nur von Endosulfan, leider auch 23 POP’s (Persistent Organic Pesticides), und Schwermetalle, z.B Kadmium.
    Forschung hat gezeigt dass 94% des Gifteinhaltes, was von Mutter durch ihre ganzes Leben konzumiert und anschliessend akkumuliert ist, an Fetus (durch Schwangerschaft) uberfuhrt wird.