Umwelt

China: Smog verkürzt die Lebenserwartung um 5,5 Jahre

Chinas enorme wirtschaftliche Entwicklung in den letzten drei Jahrzehnten wurde begleitet von einer weit verbreiteten Belastung von Luft, Boden und Wasser. Die Luftverschmutzung im Norden des Landes erhöht das Risiko von Lungenkrebs, Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Die Luftverschmutzung in Nordchina ist so hoch wie nirgends sonst auf der Welt. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind enorm. (Foto: Flickr/Theis Kofoed Hjorth)

Die Luftverschmutzung in Nordchina ist so hoch wie nirgends sonst auf der Welt. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind enorm. (Foto: Flickr/Theis Kofoed Hjorth)

Eine so starke und andauernde Luftverschmutzung wie im Norden Chinas hat es bisher kaum gegeben. Daher ist die Menge an Forschungsarbeiten zu den Auswirkungen des Smogs auf die Gesundheit bisher sehr gering. Doch nun zeigt eine umfassende Studie, dass die Luftverschmutzung allein in den 90er Jahren insgesamt 2,5 Milliarden Menschenjahre gekostet hat.

„Es ist das erste Mal, dass jemand die Daten verfügbar hat, um zu zeigen, wie ernst die Langzeitwirkungen der Verschmutzung auf die menschliche Gesundheit sind, sowohl im Hinblick auf die Lebenserwartung als auch auf die Art der Krankheiten“, zitiert die FT Li Hongbin, Mitautor der Studie und Wirtschaftsprofessor an der Tsinghua-Universität in Peking.

Die Studie, die im angesehenen US-Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, zeigt die immensen Folgen der Verschmutzung für die Menschen. Li schätzt, dass die verkürzte Lebenszeit der Menschen in Nordchina einer Verminderung der Zahl der Arbeitskräfte um ein Achtel entspricht.

Die Studie vergleicht die Populationen nördlich und südlich des Flusses Huai, der durch Zentralchina fließt. Nördlich des Flusses ist die Luftverschmutzung deutlich schlimmer, da die Regierung dort im Winter kostenlos Kohle zum Heizen verteilt. Herangezogen wurden die Daten zur Verschmutzung in den Jahren 1981 bis 2000 und die Gesundheitsdaten der Jahre 1991 bis 2000.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine Erhöhung der Partikel um 100 Mikrogramm pro Kubikmeter zu einer Verringerung der durchschnittlichen Lebenserwartung um drei Jahre führte. Der Unterschied zwischen dem Gebiet nördlich und südlich des Flusses Huai betrug 185 Mikrogramm pro Kubikmeter.

„Wir fanden heraus, dass Menschen, die im Norden des Flusses leben, eine um fünfeinhalb Jahre geringere Lebenserwartung haben“, sagte Michael Greenstone, Mitautor der Studie und Professor am Massachusetts Institute of Technology. Das Neue an der Studie sei, dass sie auf tatsächlichen Daten beruhe. Die meisten vorherigen Berechnungen zu den Gesundheitskosten der Umweltverschmutzung in China beruhten auf Hochrechnungen von in den USA erhobenen Daten, wo die Verschmutzung deutlich geringer ist.

Chinas enorme wirtschaftliche Entwicklung in den letzten drei Jahrzehnten wurde begleitet von einer weit verbreiteten Belastung von Luft, Boden und Wasser. Das zunehmende Problem giftigen Smogs im Norden Chinas wurde landesweit bekannt, nachdem im Januar die Luftverschmutzung in Peking auf Rekordwerte angestiegen war. Die besorgten Bürger deckten sich mit Luftfiltern und Gesichtsmasken ein.

Sorgen über die Umwelt sind eine wachsende Quelle sozialer Unruhen und öffentlichen Protests, vor allem wegen gesundheitlicher Bedenken. Die chinesische Regierung hat darauf mit strengeren Umweltauflagen reagiert. Doch diese Bemühungen, den über Jahrzehnte angerichteten Schaden rückgängig zu machen, haben bisher kaum Wirkung gezeigt.

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