Therapie

Diätberatung: Tipps von dicken Ärzte werden eher angenommen

Fettleibige Patienten nehmen Abnehmtipps von Ärzten besser an, wenn diese selbst fülliger sind. Das zeigt eine aktuelle Studie aus den USA. Den Gang zum Doktor verbinden viele Übergewichtige noch immer mit der Angst vor einer Stigmatisierung.

Stark übergewichtige Patienten hören gewissenhafter auf einen ärztlichen Ratschlag, wenn dieser von einem ebenfalls übergewichtigen Arzt stammt. Zu dieser Erkenntnis sind Forscher aus den USA im Zuge einer aktuellen Studie gelangt. Korpulente Mediziner und Patienten könnten sich demnach als Teil einer Art „Schicksalsgemeinschaft“ fühlen.

Dickere Ärzte haben mehr Erfolg bei der Beratung übergewichtiger Patienten als ihre dünneren Kollegen. (Foto: Flickr/silkolive)

Dickere Ärzte haben mehr Erfolg bei der Beratung übergewichtiger Patienten als ihre dünneren Kollegen. (Foto: Flickr/silkolive)

Die Forschungsarbeit ging von der John Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore aus, berichtet die ÄrzteZeitung. Die Wissenschaftler um Sara N. Bleich untersuchten dabei, welches Vertrauen Patienten in die Fähigkeiten ihres Arztes setzen, anderen beim Abspecken zu helfen. Dazu wurden 600 übergewichtige Teilnehmer (BMI ab 25 kg/m2) via Internet befragt. Alle hatten im Vorjahr mindestens einmal eine Hausarztpraxis aufgesucht.

Das allgemeine Vertrauen der Teilnehmer für ihre Ärzte war insgesamt hoch, unabhängig vom BMI des Doktors: Schlanke, übergewichtige und adipöse Ärzte erhielten Bewertungen von jeweils um die 8,5 auf einer Zehn-Punkte-Skala. Die Zahl 10 stand dabei für „vollstes Vertrauen“. Deutliche Unterschiede gab es dagegen beim Vertrauen in die ärztliche Diätberatung: Je mehr Pfunde die Doktoren selbst auf die Waage brachten, desto besser schnitten sie hier in den Augen ihrer Patienten ab.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient in dieser Hinsicht seinem Arzt vertraute, lag für Ärzte ohne Gewichtsprobleme bei 77 Prozent. Für übergewichtige Doktoren betrug der Wert 82 Prozent, für adipöse Ärzte sogar 87 Prozent. Bei den ärztlichen Ratschlägen zu Bewegung und Gewichtskontrolle stieg das Vertrauen der Patienten im Trend ebenfalls mit dem ärztlichen BMI, die Unterschiede waren hier jedoch nicht signifikant.

Mögliche negative Implikationen des beobachteten Zusammenhanges geben zu denken: Vor allem stark übergewichtige Patienten scheuen aus Scham oder Angst vor negativen Reaktionen häufig den Arztbesuch. Für das Forscherteam nicht ganz unbegründet: Frühere Studien hätten gezeigt, dass adipöse Patienten von Ärzten schlechter behandelt würden, diese weniger Zeit für sie aufwendeten und bestimmte Untersuchungen weniger bereitwillig durchführten.

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