Wirtschaft

Branche im Wandel: Die Gesundheitswirtschaft boomt

Der Gesundheitssektor wird immer bedeutender für die Gesamtwirtschaft. Der demografische Wandel verlangt Innovationen für die Gesellschaften überall auf der Welt. Deutschland exportiert viele davon.

Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP, OECD-Länder, 2011. (Grafik: OECD Health Data 2013, Deutschland)

Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP, OECD-Länder, 2011. (Grafik: OECD Health Data 2013, Deutschland)

Ein implantierter Defibrillator wird von einem Berliner Unternehmen produziert und könnte sich zum Exportschlager entwickeln: „Die Chance, mit einem implantierbaren Defibrillator ein Herzflimmern zu überleben, liegt bei 95 Prozent“, sagte der Geschäftsführende Direktor der Firma Biotronik, Christoph Böhmer. Das Unternehmen hat 5.600 Mitarbeiter und entwickelt den nur 65 Millimeter breiten und 55 Millimeter hohen Lebensretter, mit dem sich Patienten sogar einer Magnetresonanztherapie (MRT) unterziehen können.

Doch die Preise für Herzschrittmacher fallen hierzulande. „Vergleicht man die Preise für Herzschrittmacher in Deutschland mit denen vor acht Jahren, betragen sie heute nur noch ein Achtel“, so Böhmer. Biotronik macht nur 15 Prozent seines Umsatzes in Deutschland.

Haupteinnahmequelle sind die Verkäufe ins Ausland, Hightech aus Deutschland ist in der Gesundheitsbranche gefragt. „Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) etwa schätzt das Wachstum des deutschen Gesundheitsmarkts bis zum Jahr 2020 auf 3,3 Prozent pro Jahr. Weltweit sollen es Prognosen zufolge bis 2030 sogar fast sechs Prozent sein“, heißt es in einer Mitteilung von Reuters. Bereits jetzt stellt die Gesundheitswirtschaft nach Angaben der DIHK 7 Prozent des gesamten deutschen Exports.

Die Gesundheitswirtschaft besteht aus drei Säulen: Die Medizintechnik macht etwa 22,2 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Die Pharmabranche erwirtschaftet einen Umsatz von 48 Milliarden Euro pro Jahr, das entspricht etwa vier Prozent des gesamten Weltmarktes. Schließlich gibt es noch den klassischen Gesundheitssektor. Dieser umfasst 88.000 Arztpraxen, 342.000 Ärzte, 2.000 Krankenhäuser, 23.000 Pflegeeinrichtungen und 21.000 Apotheken.

In Deutschland sehen die Unternehmen der Branche jedoch die geringsten Wachstumschancen, daher konzentrieren sich viele auf die Schwellenländer, in denen der medizinische Standard noch vergleichsweise gering ist. Dort steigen die Einkommen und damit das Bewusstsein für die eigene Gesundheit. Auch die strengen Auflagen sowie sinkende Preise machen Deutschland weniger attraktiv für den Absatz von medizinischen Produkten.

Die Branche in Deutschland umfasst 230.000 Firmen und Betriebe. Mehr als sechs Millionen Beschäftigte arbeiten im Gesundheitssektor. Zusammen mit dem Fitness- und Wellnessbereich arbeitet bereits jeder siebte Erwerbstätige in der Gesundheitswirtschaft, sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Zum Vergleich: In der Automobilbranche arbeitet nur etwa jeder 50. Beschäftigte.

Die Deutschen gaben im Jahr 2011 einen Rekordbetrag für ihre Gesundheit aus: 294 Milliarden Euro. Pro Einwohner sind das knapp 3.600 Euro. Allein diese Ausgaben machen 11,6 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts aus. Das meiste davon wird über die Krankenkassen abgewickelt (168,5 Milliarden). Den Rest tragen private Organisationen, die privaten Krankenversicherungen und die Unternehmen bei.

Daniel Bahr sagte, die Gesundheitswirtschaft habe „zur Stabilisierung der deutschen Wirtschaft in den Krisenjahren beigetragen“. Obwohl die Kosten gedämpft werden müssten, sei sie dennoch Beschäftigungs- und Wachstumsmotor für Deutschland. Die Branche wächst doppelt so stark wie die deutsche Gesamtwirtschaft.

Als Grund für dieses große Wachstum wird allgemein der demografische Wandel angeführt. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt in vielen Ländern. Entsprechend stark ist die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. Ein weiterer Grund ist der medizinisch-technische Fortschritt. Die Lebenserwartung steigt, aber nur durch die Behandlung von Krankheitsbildern, die vor zehn bis zwanzig Jahren noch nicht behandelbar waren.

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