Multiresistente Bakterien

Chemiker wollen Infektionen in Krankenhäusern reduzieren

Multiresistente Bakterien sind ein Problem, auf das die moderne Medizin nach wie vor keine effektive Antwort kennt. Im Kampf gegen die Krankheitserreger setzen Chemiker nun auf eine neue Methode. Durch Veränderung der Zelloberfläche soll das Infektionsrisiko deutlich verringert werden.

Chemiker haben eine neue Methode entwickelt, die einen Durchbruch im Kampf gegen den hier abgebildeten MRSA-Erreger bedeuten könnte. (Foto: Flickr/NIAID_Flickr)

Chemiker haben eine neue Methode entwickelt, die einen Durchbruch im Kampf gegen den hier abgebildeten MRSA-Erreger bedeuten könnte. (Foto: Flickr/NIAID_Flickr)

4,3 Prozent aller Krankenhauspatienten in Deutschland erkranken während ihres Aufenthaltes an einer Infektion. Dies entspricht um die 500.000 Erkrankungen pro Jahr. Bei 10.000 bis 15.000 Patienten jährlich enden die Infektionen tödlich. In etwa 15 Prozent der Fälle sind multiresistente Krankheitserreger für diese Infektionen verantwortlich. Der häufigste Verursacher ist der MRSA-Erreger, die Kurzform für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus.

Einem Chemiker-Team aus Würzburg könnte nun ein entscheidender Schritt in der Bekämpfung des Bakteriums geglückt sein, berichtet DocCheckNews. Jürgen Seibel, Professor für Organische Chemie, und seine Doktorandin Elisabeth Memmel haben die Zelloberfläche der Bakterien verändert, um damit deren Haftfähigkeit auf humanen Zellen zu reduzieren. „Die Gefahr einer Infektion wurde dadurch stark vermindert“, so Seibel.

Die Wissenschaftler haben den Stoffwechsel der Bakterien einfach gegen diese selbst verwendet. Dazu haben sie Zucker-analoge Strukturen chemisch hergestellt und zu der Nährlösung der Bakterien gegeben. Die Bakterien haben diese Moleküle in ihrem Stoffwechsel um- und auf ihrer Zelloberfläche angesetzt. „Dies erlaubt uns, gezielt die Bakterien anzugreifen, ohne die humanen Zellen zu schädigen“, so Elisabeth Memmel.

Die Chemiker sehen im neuartigen Ansatz die Möglichkeit, verbesserte Medikamente gegen multiresistente Bakterien zu entwickeln. Die meisten Antibiotika würden darauf abzielen, die Zellwand-Biosynthese oder andere lebensnotwendige Prozesse der Bakterien zu unterbinden, so Seibel. Der Angriffspunkt der neuen Methode sei hingegen die Adhäsion zwischen Bakterien und humanen Zellen.

Ungeachtet dieser Weiterentwicklung werden Multiresistenzen aber wohl noch länger eine bedeutende Ursache für Infektionskrankheiten bleiben. Die Bakterien, die Resistenzen gleich gegen mehrere wichtige Antibiotika ausbilden, sind besonders schwer zu eliminieren. Gegen MRSA beispielsweise sind gängige Mittel wie Penicilline, Cephalosporine und Carbapeneme absolut unwirksam. MRSA werden zunehmend auch außerhalb von Krankenhäusern gefunden und können auf Dritte übertragen werden.

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