Innovation

Akustische Signale verbessern die Gedächtnisbildung im Schlaf

Tiefschlaf fördert die kognitive Verarbeitung von im Wachzustand aufgenommenen Wahrnehmungen. Forscher fanden nun heraus, dass die Gedächtnisbildung durch die nächtliche Beschallung mit akustischen Signalen zusätzlich verbessert werden kann.

Akustische Signale während einer Tiefschlafphase fördern die Gedächtnisbildung. (Foto: Flickr/Tobyotter)

Akustische Signale während einer Tiefschlafphase fördern die Gedächtnisbildung. (Foto: Flickr/Tobyotter)

Hirnwellen sind auch während des Schlafens nie im Ruhezustand. Durch die besonders hohe Wellenlänge im Tiefschlaf werden Lernprozesse und die Speicherung von Informationen im Langzeitgedächtnis besonders gefördert. Durch die Stimulation dieser Wellen mit akustischen Signalen lässt sich die Gedächtnisbildung noch weiter ausbauen.

Zu dieser Erkenntnis kamen Forscher des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen, berichtet DocCheckNews. Demnach steigern im Tiefschlaf vorgespielte diskrete Töne die Konsolidierung des Gedächtnisses deutlich. Bedingung ist, dass die akustischen Signale mit den langsamen Hirnwellen synchron laufen.

Im Rahmen der Untersuchungen testeten die Wissenschaftler elf Personen im Schlaflabor. Die Probanden mussten sich abends 120 Wortpaare merken, die direkt im Anschluss an die Lernsituation und dann noch einmal am nächsten Morgen abgefragt wurden. Sobald die Studienteilnehmer in der Nacht fest eingeschlafen waren, begann die akustische Stimulation. Über einen Kopfhörer hörten sie 210 Minuten lang immer wieder einen leisen Ton, der dem Rhythmus der langsamen Hirnwellen entsprach. Um den Gleichlauf zu ermöglichen, mussten die Hirnwellen in dieser Zeit per Elektroenzephalografie (EEG) detektiert und online analysiert werden.

Bei einer Kontrollgruppe wurden die Gehirnschwingungen ebenfalls gemessen. Den Teilnehmern bei diesem Versuch wurde jedoch kein akustisches Signal vorgespielt. Jene Testpersonen, die während des Tiefschlafs dem Geräusch ausgesetzt waren, konnten sich am Morgen besser an die Wortpaare erinnern, die sie am Abend zuvor gelernt hatten. Durchschnittlich wussten sie am nächsten Morgen rund 22 Wortpaare mehr als am Abend zuvor. Die nicht beschallten Personen aus der Kontrollgruppe konnten sich hingegen durchschnittlich nur 13 Wortpaare mehr als am vorherigen Abend einprägen.

Den Wissenschaftlern zufolge könnte das neue Verfahren wahrscheinlich auch zur Verbesserung des Schlafs eingesetzt werden. Darüber hinaus könnten durch Schlafstörungen und Depressionen hervorgerufene Beeinträchtigungen des Gedächtnisses abgemildert werden. Da kaum Nebenwirkungen auftreten, ist die Methode eine potentielle Alternative zur Medikation mit Schlafmitteln. Unter Neurologen herrscht aber Uneinigkeit darüber, ob es für die aufwendige Methode tatsächlich in absehbarer Zeit zur Anwendungsfähigkeit reicht.

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