Chemieindustrie

Industrie ignoriert EU bei Sicherheitsvorgaben giftiger Chemikalien

Die Regulierung von potentiell gesundheitsschädigenden Chemikalien innerhalb der EU sei mangelhaft und intransparent. Das wirft die Umweltrechtsorganisation ClientEarth der EU-Kommission in einem aktuellen Bericht vor.

Das Zulassungsverfahren für Chemikalien in der EU lässt den Herstellern Schlupflöcher. (Foto: Flickr/KaiAlex81)

Das Zulassungsverfahren für Chemikalien in der EU lässt den Herstellern Schlupflöcher. (Foto: Flickr/KaiAlex81)

Die Chemieindustrie unterwandere systematisch die Sicherheitsmechanismen bei der Zulassung neuer Substanzen, warnt die Umweltrechtsorganisation ClientEarth. Die im EU-Recht geltende Chemikalienverordnung (REACH-Verordnung) sei unglaubwürdig, weil die Hersteller keine ausreichenden Informationen vorlegen würden. Die Schuld liege bei der zuständigen EU-Behörde, heißt es in dem Papier.

Die Umweltschützer verglichen in ihrem Bericht öffentlich zugängliche Forschungsergebnisse mit jenen, die die Europäische Chemikalienagentur ECHA für ihre Bewertung heranzieht. Konkret geht es dabei um fünf sogenannte endokrine Disruptoren. Als solche werden Stoffe bezeichnet, die wie Hormone wirken und so das menschliche Hormonsystem stören können. Am bekanntesten sind Substanzen wie Bisphenol A und Phthalate, die zum Beispiel in vielen Kunststoffprodukten vorkommen. Von Kinderspielsachen über Trinkflaschen bis hin zu Pflegeprodukten wie Sonnencreme und Deodorants treten die Stoffe in zahlreichen Gegenständen des täglichen Gebrauchs auf.

Im Rahmen des Zulassungsverfahrens müssen die Unternehmen ein Dossier über die vorliegende Forschungsarbeit zu den Folgewirkungen der Substanzen an die ECHA liefern. Darin muss auch auf gesundheitliche und umweltbezogene Auswirkungen eingegangen werden.

ClientEarth fand heraus, dass diese Dossiers für die fünf endokrinen Disruptoren nicht das gesamte verfügbare Wissen darstellten. In einigen Fällen wurden hingegen Informationen angeführt, die nicht relevant, verlässlich oder adäquat waren.

Demnach würden die Richtlinien nicht dazu benutzt, ein hohes Maß an Sicherheit für Mensch und Umwelt zu garantieren, heißt es in dem Bericht. Wenn die Dossiers der Hersteller den wissenschaftlichen Fortschritt der letzten 15 Jahre ignorierten, sei das ganze Zulassungssystem unglaubwürdig, so die Schlussfolgerung.

REACH steht im Englischen für Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien. Die Regelung ist seit dem Jahr 2007 in Kraft. Das fundamentale Prinzip der Verordnung verbietet Herstellern die Markteinführung von Chemikalien ohne die Offenlegung ausführlicher Forschungsergebnisse („keine Daten, kein Markt“). Folgt man den Ergebnissen von ClientEarth, wird dieses Prinzip nur sehr mangelhaft umgesetzt.

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