Therapie

Antibiotika: So können Nebenwirkungen verhindert werden

Der langfristige Antibiotika-Einsatz kann menschliches Gewebe stark beeinträchtigen. Wissenschaftler haben nun Möglichkeiten gefunden, die zum Teil schweren Nebenwirkungen zu vermeiden.

Die Langzeittherapie mit Antibiotika kann schwerwiegende Nebenwirkungen mit sich bringen. (Foto: Flickr/kozumel)

Die Langzeittherapie mit Antibiotika kann schwerwiegende Nebenwirkungen mit sich bringen. (Foto: Flickr/kozumel)

Langzeittherapien mit zahlreichen gängigen Antibiotika können zu schweren Nebenwirkungen führen. Wissenschaftler haben zwei Wege gefunden, diese Nebenwirkungen zu verhindern beziehungsweise sie deutlich abzumildern.

„Ärzte verschreiben Antibiotika oft freigiebig, weil sie annehmen, dass Antibiotika nur Bakterien schaden und das menschliche Gewebe nicht beeinträchtigen“, zitiert DocCheck News aus einer Studie. Doch immer mehr Langzeitstudien zeigten schwerwiegende Nebeneffekte, darunter Sehnenscheidenentzündungen, Innenohrprobleme und Hörverlust, Durchfall sowie eine gestörte Nierenfunktion.

„Klinische Dosierungen von Antibiotika können oxidativen Stress auslösen, der wiederum die DNA, Proteine und Lipide in menschlichen Zellen schädigen kann“, sagt Studienleiter Jim Collins. Diesen Effekt könne man jedoch durch den Einsatz von Antioxidantien abmildern.

Collins‘ Team hatte entdeckt, dass Antibiotika Bakterien töten, indem sie in ihnen oxidativen Stress auslösen. Unter oxidativem Stress versteht man eine Stoffwechsellage, die durch eine erhöhte Konzentration an reaktiven Sauerstoffmolekülen gekennzeichnet ist.

Die Wissenschaftler vermuteten, dass die Nebenwirkungen der Antibiotika-Langzeittherapie durch oxidativen Stress in den Mitochondrien der menschlichen Zellen verursacht werden. Sie untersuchten daher, ob die Antibiotika Ciprofloxacin, Ampicillin und Kanamycin oxidativen Stress in menschlichen Zellkulturen entfachen.

Nach etwa vier Tagen Antibiotika-Behandlung stellten die Forscher eine Fehlfunktion in den Mitochondrien fest. Eine Reihe biochemischer Tests zeigte, dass alle drei Antibiotika sowohl die DNA als auch die Proteine und Lipide der Zellen geschädigt hatten. Genau solche Schäden sind bei oxidativem Stress zu erwarten. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Ärzte und Patienten in Zukunft nur dann auf Antibiotika zurückgreifen sollten, wenn es keine Alternativen gibt“, so Collins.

Zudem untersuchten die Wissenschaftler die Wirkung der Antibiotika bei Mäusen. Die Dosierung entsprach dabei derjenigen von klinischen Anwendungen. Alle drei Antibiotika verursachten bei Langzeitanwendung Schäden in den Lipiden der Tiere. Außerdem fanden die Forscher in den Mäusen verminderte Glutathion-Level. Dies ist ein weiterer Hinweis für oxidativen Stress, denn Glutathion ist ein natürliches Antioxidans des Körpers.

Da sich die Langzeittherapie mit Antibiotika in den Kliniken nicht immer vermeiden lässt, suchten und fanden Collins und sein Team Möglichkeiten, dem dadurch ausgelösten oxidativen Stress entgegenzuwirken. Zudem entdeckten sie einen Weg, wie sich bereits aufgetretener oxidativer Stress wieder beseitigen lässt.

Gänzlich vermeiden ließ sich der Zellstress mithilfe von bakteriostatischen Antibiotika wie beispielsweise Tetracyclin. Diese verhindern lediglich, dass sich die Bakterien weiter vermehren, töten sie jedoch nicht ab. Bereits vorhandener oxidativer Stress ließ sich mithilfe eines Antioxidans namens N-Acetylcystein (NAC) abmildern.

Collins und sein Team arbeiten bereits an genauen Parametern, mit denen sich oxidativer Stress beim Einsatz von Antibiotika zuverlässig verhindern oder wieder beseitigen lässt. Da sowohl bakteriostatische Antibiotika als auch NAC bereits zugelassene Wirkstoffe sind, rechnen die Wissenschaftler damit, dass ihre Strategie den Patienten bald zu Verfügung stehen wird.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *