Geschichte

Studie: Doping in Westdeutschland seit 1949

Auch im Westen Deutschlands wurden Sportler systematisch und mit Wissen der politisch Verantwortlichen gedopt. Auch die Elite des deutschen Fußballs habe die aufputschenden Amphetamine genommen.

Ohne Namen zu nennen, prangert die Studie auch die Mitwisserschaft der Sport-Verantwortlichen an. (Foto: Flickr/Nicola since 1972)

Ohne Namen zu nennen, prangert die Studie auch die Mitwisserschaft der Sport-Verantwortlichen an. (Foto: Flickr/Nicola since 1972)

Aufgrund des öffentlichen Drucks ist die lange unter Verschluss gehaltene Studie zum Doping in der Bundesrepublik Deutschland nun auf der Homepage des Bundesinstituts für Sportwissenschaft abrufbar. Eine Verzögerung der Veröffentlichung des Abschlussberichts war mit Datenschutzbedenken begründet worden.

„Die vielfach formulierte These, das Dopingproblem in der Bundesrepublik sei erst mit dem Konsum von Anabolika in den 1960er Jahren offen zutage getreten, lässt sich jedenfalls eindrucksvoll widerlegen“, heißt es in dem Abschlussbericht der Berliner Humboldt-Universität. Die Geschichte des Dopings in der Bundesrepublik beginne vielmehr bereits 1949. Bis 1960 seien Amphetamine „systematisch zum Einsatz gekommen“. Auch die Elite des deutschen Fußballs habe die aufputschenden Amphetamine genommen.

Ohne Namen zu nennen, prangert die Studie auch die Mitwisserschaft von damaligen Sport-Verantwortlichen an. „Es stellt sich mithin die Frage, wie ernsthaft Verantwortliche in der deutschen Sportlandschaft den Kampf gegen das Doping tatsächlich betrieben haben und mit welcher Ausdauer sie die (zum Teil sich selbst gesetzten) Grundsätze und Ziele in dieser Hinsicht verfolgt haben.“

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) etwa sei in der Anabolika-Frage in mindestens zwei Lager zerfallen. „Während die damals beteiligten Sportmediziner (Steinbach, Mellerowicz) sich gegen den Anabolika-Einsatz aussprachen, hatte DLV-Präsident Max Danz, ebenfalls ein Mediziner, gegen die Anwendung nichts einzuwenden. Seiner Aussage nach verschrieb er selbst regelmäßig diese Präparate – unklar blieb, an wen: Gesunde Olympiakader? Kranke oder Verletzte?“

Unterstützung habe der DLV-Präsident durch den bekanntesten und einflussreichsten deutschen Trainer, Karl Adam, erfahren. „Es tobte also hinsichtlich der Anwendung der anabolen Steroide nicht nur ein Kampf zwischen den Athleten, wie unser Projekt für die Phase um 1970 herausgearbeitet hat, sondern auch unter den Funktionären in der Leichtathletik“, so die Studie.

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