Internet

Chronisch Kranke und Alte profitieren nicht vom Internet

Über 100 Millionen Europäer haben das Internet noch nie benutzt. In Deutschland betrifft das über die Hälfte der über 65-Jährigen. Vor allem chronisch kranke und ältere Menschen können nicht von den Vorteilen des Internets profitieren. Der YouTube-Kanal der Pharmaindustrie ist ein Flop.

Anteil der Menschen nach Altersgruppen, die noch nie das Internet genutzt haben in Deutschland (Grafik: Europäische Kommission/Digital Agenda Scoreboard)

Anteil der Menschen nach Altersgruppen, die noch nie das Internet genutzt haben in Deutschland (Grafik: Europäische Kommission/Digital Agenda Scoreboard)

Vielen Patienten fehlt der Zugang zu wertvollen Informationen im Internet. Das World Wide Web ist vor allem für ältere und chronisch kranke Menschen noch immer schwer zugänglich. So berichtet die Europäische Kommission, dass in ganz Europa mehr als 100 Millionen Europäer das Internet noch nie genutzt hätten.

Das Internet hat sich bei der älteren Generation noch immer nicht durchgesetzt. Für sie sei es ein untaugliches Medium, sagte Hanno Wolfram vom Beratungsunternehmen Innov8. Auch in Deutschland gibt es einen tiefen digitalen Graben. Mehr als ein Viertel der 55- bis 65-Jährigen war noch nie im Internet. Bei der Altersgruppe über 65 ist die Zahl noch höher: Mehr als die Hälfte hat noch keine Erfahrungen im Umgang mit dem Internet gemacht (siehe Grafik).

Viele Pharmaunternehmen haben ihre Präsenz im Internet für die User uninteressant oder zu umständlich gestaltet. Auch die YouTube-Kanäle erhalten nur wenig Zuspruch. „Die durchschnittliche Anzahl der Abrufe wertvoller Videos liegt allerdings nur bei knapp über 200. Hier wird eine Menge Geld und Wissen im Internet verschleudert. Die erkennbaren Effekte gehen gegen Null“, so Wolfram.

Entgegen der weit verbreiteten Annahme der Pharmaindustrie ist das Internet also kein hilfreiches Medium bei der Unterstützung chronisch Kranker und älterer Patienten. Daher sei es „notwendig, einen anderen tatsächlichen Kommunikationskanal zu der älteren Generation zu finden“, sagte Medizinjournalist Jürgen Bause von der Arbeitsgemeinschaft Gesundheit & Soziales (AGS).

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