Medikamente

Gesetzliche Kassen: Keine Vergütungsreform bei Apotheken

Die gesetzlichen Krankenkassen lehnen die Forderung der Apotheker nach einer Neuausrichtung der Leistungsvergütung ab. Sie sprechen sich gegen Extrazahlungen für neue Beratungsangebote aus. Die Apotheker verlangen dagegen mehr Geld und eine neue Organisation ihres Berufes.

Deutschlands Apotheker fordern neue Vergütungshonorare für Beratungsleistungen. (Foto: Flickr/Kai Schreiber)

Deutschlands Apotheker fordern neue Vergütungshonorare für Beratungsleistungen. (Foto: Flickr/Kai Schreiber)

Die Apotheker wollen einen tiefgreifenden Umbau ihrer Vergütung und ihres Berufsbildes durchsetzen. Bei diesem Vorhaben treffen sie nun jedoch auf scharfen Gegenwind der Verbände der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV).

Bislang richtet sich die Vergütung vor allem nach der Zahl der verkauften rezeptpflichtigen Packungen. Geht es nach den Apothekern, sollen in Zukunft verstärkt auch Leistungen vergütet werden, die nicht direkt an die Anzahl der Packungen geknüpft sind. Das betrifft etwa jährliche Beratungsgespräche über die Wechselwirkungen der verschiedenen Medikamente eines Patienten. Auch Ernährung und Lebensumstände der Patienten sollen demnach in der Apotheke zur Sprache kommen. „Die Zukunft liegt für Apotheker vor allem in einer verstärkten Beraterfunktion und im Medikationsmanagement“, sagte Mathias Arnold, stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), der Welt.

„Bereits heute erhalten die Apotheker für die Beratung der Patienten viel Geld von den Krankenkassen“, widerspricht Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes. „Ich habe große Zweifel, ob es im Interesse der Patienten wäre, wenn man aus Apotheken allgemeine Lifestyle-Beratungseinrichtungen machen würde.“ Stattdessen müssten auch traditionelle Apotheken auf dem Land bereit sein, alte Denkmuster hinter sich zu lassen. „Von der Apotheke über Pick-Up-Stellen bis zum Versandhandel muss Hand in Hand gearbeitet werden“, so der GKV-Sprecher.

Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zeigte sich skeptisch. Neuen Honorarelementen, die sich nicht an der Zahl der verkauften Packungen orientierten, stehe er zurückhaltend gegenüber, sagte er. Stattdessen sprach er sich dafür aus, die Vergütung von derzeit 8,35 Euro pro Packung in regelmäßigen Abständen anzuheben.

Hintergrund der Reformpläne sind in erster Linie die zunehmenden Apothekenschließungen vor allem in ländlichen Regionen. Die Forderungen der Apotheker nach neuen Honorarleistungen kommen dabei einem Paradigmenwechsel gleich. Immerhin müssten für die neuen Beratungsangebote Besprechungszimmer in den Apotheken eingerichtet und die Apothekerausbildung ausgebaut werden.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *