Fukushima

Täglich fließen 300 Tonnen verstrahltes Wasser in den Pazifik

Seit zwei Jahren fließt aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima tonnenweise verseuchtes Wasser in den Ozean. Die Betreiberfirma Tepco leugnete dies monatelang. Nun will die japanische Regierung selbst eingreifen, weil sie eine Katastrophe fürchtet.

Mitarbeiter der Betreiberfirma Tepco versuchen, die Atomruine in Fukushima unter Kontrolle zu bringen. Hunderttausende Tonnen an verseuchtem Wasser dürften bereits ins Meer geflossen sein. (Foto: Screenshot/Youtube)

Mitarbeiter der Betreiberfirma Tepco versuchen, die Atomruine in Fukushima unter Kontrolle zu bringen. Hunderttausende Tonnen an verseuchtem Wasser dürften bereits ins Meer geflossen sein. (Foto: Screenshot/Youtube)

Umweltschützer befürchten nach dem Atomunfall eine weitere Katastrophe in Fukushima. Ungefähr 300 Tonnen an radioaktiv verseuchtem Wasser fließen Tag für Tag aus dem zerstörten Atomkraftwerk in den Pazifischen Ozean. Hochrangige Beamte gaben bekannt, dass das Ausmaß der Leckage sehr viel größer sei als bisher angenommen.

Das Wasser fließe seit zwei Jahren ungehindert in den Pazifik, zitiert Reuters einen mit dem Fall betrauten Beamten. Die Regierung versuche nun, die austretende Menge an verseuchtem Wasser bis Dezember auf 60 Tonnen pro Tag zu reduzieren. Jetzt – erst jetzt – will die Regierung auch mit direkten Finanzmitteln aus dem Staatsbudget einspringen. Das gab Premierminister Shinzo Abe am Mittwoch bekannt, er sprach dabei von einem „Notfall“.

Mehrere hundert Millionen Euro sollen vorerst dazu eingesetzt werden, den Boden rund um das Kraftwerk zu verfestigen, um den Anstieg des Grundwassers in dem Gelände zu stoppen. Zu diesem Zweck werden Chemikalien in die Erde gepumpt, die eine Aushärtung bewirken.

Bisher war einzig und allein die Betreiberfirma Tepco für die Sicherungsarbeiten verantwortlich. Mitarbeiter des Unternehmens pumpen derzeit täglich um die 400 Tonnen Grundwasser aus dem Gelände ab. Damit soll verhindert werden, dass sich noch mehr Grundwasser mit dem strahlenbelasteten Wasser vermischt, das zum Abkühlen der verbrauchten Brennstäbe verwendet wird. Gespeichert wird das abgepumpte Wasser in riesigen Auffangbecken, welche aber schon fast vollständig gefüllt sind.

Die Aktiengesellschaft hatte die zahlreichen Berichte über Wasseraustritte zuvor monatelang in Abrede gestellt. Aus heutiger Sicht rechnen die japanischen Behörden damit, dass die Aufräumarbeiten mindestens 40 Jahre dauern und mehr als acht Milliarden Euro kosten werden. Der tatsächliche Aufwand könnte jedoch deutlich darüber liegen.

Dass die Bewältigungsmaßnahmen bisher allein in den Händen von Tepco lagen, ist kaum zu vertreten. Sowohl die Sicherheitsvorkehrungen vor dem Tsunami als auch das unmittelbare Krisenmanagement in den Monaten danach waren völlig unzureichend. Der Öffentlichkeit wurden Informationen über das wahre Ausmaß der Katastrophe systematisch vorenthalten. Die Behörden, genauso wie die damalige und die jetzige Regierung, dürften an dieser Verschleierung ein ebenso großes Interesse gehabt haben. Seit der Abschaltung aller 54 japanischen Nuklear-Reaktoren im Anschluss an die Katastrophe ist das Land in starkem Maße abhängig von teuren Kohle- und Gas-Importen.

Nicht nur in Japan sieht man das schleppende Vorangehen der Sicherungsarbeiten indes mit größter Sorge. Die Folgen von möglichen Unterbrechungen bei der Kühlung der beschädigten Reaktoren sind neben den Wasser-Leckagen die größten Gefahren, die von den geschmolzenen Kernelementen ausgehen. Die provisorischen Sicherheitseinrichtungen und wiederholte Ausfälle der Energieversorgung werden noch lange für ein erhebliches Risiko sorgen.

Das Ausmaß der bisherigen Meeresverseuchung ist unbekannt. Tepco rechnet laut eigenen Angaben damit, dass bisher 40 Billionen Becquerel (die Maßeinheit für Radioaktivität) an Tritium ins Meer gelangten. Dieser Stoff beeinflusst die menschliche DNS, ist aber laut Stand der Wissenschaft wesentlich ungefährlicher als etwa Cäsium. Erst Ende Juli musste Tepco jedoch bekannt geben, dass auch die im Grundwasser um die Atomruine gemessenen Werte für das hochgefährliche Cäsium-134 um das 90-fache angestiegen seien. Tepco behauptet, dass die gesetzlichen Grenzwerte nicht erreicht würden. Die Angaben der Firma sind aber von unabhängigen Stellen kaum nachprüfbar.

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