Psychologie

Einzelkinder lassen sich öfter scheiden

Wer mit Brüdern oder Schwestern aufgewachsen ist, bei dem stehen die Chancen besser, dass seine Ehe andauert. Und je mehr Geschwister man hat, desto besser. Denn jedes zusätzliche Geschwister verringert die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung um 2 Prozent.

Ehen halten umso länger, je mehr Geschwister die Eheleute haben. (Foto: Flickr/chätzle)

Ehen halten umso länger, je mehr Geschwister die Eheleute haben. (Foto: Flickr/chätzle)

Je weniger Geschwister man hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass man sich als Erwachsener scheiden lässt.

Der Unterschied zwischen Einzelkindern und Personen mit nur einem oder zwei Geschwistern war eher gering, sagte der Soziologe Doug Downey, Mitautor der Studie. „Aber wenn man Kinder aus großen Familien mit Einzelkindern vergleicht, dann gibt es einen bedeutenden Unterschied.“ Die Forscher waren von diesem Ergebnis überrascht. Sie hatten vor allem einen deutlichen Unterschied zwischen Einzelkindern und Personen mit Geschwistern erwartet.

Doch tatsächlich scheinen sich die Familienbeziehungen mit jedem zusätzlichen Kind stufenweise zu verändern. „Mehr Geschwister bedeuten mehr Erfahrung im Umgang mit anderen“, sagte Studien-Mitautorin Donna Bobbitt-Zeher. Und dies scheine eine zusätzliche Hilfe bei der Bewältigung einer Ehe zu gewähren, wenn man erwachsen sei.

Die Langzeitstudie der US-Forscher zeigt, dass jedes weitere Geschwister bis etwa zum siebten die Wahrscheinlichkeit einer späteren Ehescheidung um 2 Prozent verringert. Ab dem achten Geschwisterkind erhöht sich der Schutz gegen die Scheidung nicht mehr. Allerdings schaden weitere Geschwister auch nicht.

Der Einfluss von Geschwistern auf die Scheidungswahrscheinlichkeit wurde bei allen Generationen beobachtet. „Geschwister tragen zum Schutz gegen eine Scheidung bei Erwachsenen bei, heute wie vor 50 Jahren“, so Bobbitt-Zeher.

Die Forscher haben eine Vielzahl anderer Faktoren in Betracht gezogen, die die Ergebnisse beeinflusst haben könnten. Sie suchten nach Unterschieden zwischen den Familien, die sowohl für die unterschiedliche Familiengröße als auch für die unterschiedliche Ehestabilität verantwortlich sein könnten.

„Es hätte sein können, dass kleine Familien eher von Alleinerziehenden geführt werden oder dass irgendein anderer Grund die späteren Ehen der Kinder beeinträchtigt.“ Daher befragten die Forscher die verschiedenen Generationen zu einer Vielfalt von Faktoren, darunter Bildungsniveau, Familienstruktur, Rasse, Alter bei der Eheschließung und religiöse Zugehörigkeit. Doch keiner der betrachteten Faktoren konnte den direkten Zusammenhang zwischen der Anzahl der Geschwister und der Scheidungswahrscheinlichkeit entkräften.

Auch wenn die Studie nicht eindeutig erklären kann, wie der Eheschutz durch Geschwister zustande kommt, gibt es nach Ansicht von Downey gute Gründe für die Ergebnisse: „Wenn man in einer Familie mit Geschwistern aufwächst, entwickelt man Fähigkeiten, um sowohl negatives als auch positives Miteinander zu verhandeln. Man muss andere Standpunkte bedenken und lernen, Probleme zu besprechen. Je mehr Geschwister man hat, desto mehr Gelegenheiten hat man, diese Fähigkeiten zu trainieren.“ Dies sei eine gute Grundlage für Beziehungen im Erwachsenenalter, darunter die Ehe.

Die Konsequenzen der Studie im Hinblick auf die geringeren Geburtenraten und die kleinen Familien in großen Teilen der westlichen Welt sind besorgniserregend. Da Kinder mit immer weniger Geschwistern aufwachsen, könnte dies auch zu immer höheren Scheidungsraten führen. Und überhaupt könnte man erwarten, dass die Menschen immer weniger dazu in der Lage sind, im Erwachsenenalter konstruktive Beziehungen zu führen.

Doch die Forscher sagen, die Eltern kleinerer Familien sollten sich nicht zu sehr sorgen. „Es gibt so viele Faktoren, die mit einer Scheidung in Verbindung stehen. Und die Zahl der Geschwister, die man hat, ist nur einer davon“, sagte Bobbitt-Zeher. Eine Ehe sei nicht zum Scheitern verurteilt, nur weil einer der Ehepartner ein Einzelkind sei.

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