Analyse

Weniger Deutsche beim Krankfeiern erwischt

Die Daten sprechen dafür, dass immer mehr Deutsche sich nur dann von ihrem Arzt krankschreiben lassen, wenn sie auch wirklich arbeitsunfähig sind. Weniger Fälle mussten vom MDK begutachtet werden. Mehr Arbeitnehmer waren dabei tatsächlich arbeitsunfähig.

Die Zahl der Krankschreibungen und die Krankengeldkosten der Krankenkassen steigen. Dennoch muss der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) immer weniger Fälle von Arbeitsunfähigkeit untersuchen. Im vergangenen Jahr begutachtete der MDK nur 1,46 Millionen Fälle, noch 2010 waren es 1,63 Millionen.

„Heute kommen nicht mehr Menschen zum MDK als etwa vor drei Jahren, im Gegenteil“, sagte Elke Grünhagen vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes den Deutschen Gesundheits Nachrichten. In den Medien sei zum Teil der falsche Eindruck entstanden, die Krankenkassen hätten die Zügel angezogen und würden zunehmend Krankschreibungen untersuchen lassen. Doch eine solche Veränderung habe nicht stattgefunden und werde auch durch die Daten widerlegt.

Die Gutachter des MDK mussten in 16,1 Prozent der begutachteten Fälle feststellen, dass es aus medizinischer Sicht keinen Grund mehr für eine Arbeitsunfähigkeit gab. Die betroffenen 230.000 Menschen waren durchaus in der Lage, ihre Arbeit innerhalb von zwei Wochen wieder aufzunehmen. Der Anteil der Fälle, bei denen die Arbeitsunfähigkeit aufgehoben wurde, hat im Vergleich zu den Vorjahren leicht abgenommen.

Es wurden also weniger Fälle vom MDK begutachtet, und die Arbeitsunfähigkeit wurde seltener aufgehoben. Doch gleichzeitig wurden beim Gesundheitsministerium mehr Fälle von Arbeitsunfähigkeit gemeldet. Diese erhöhte Zahl der Krankschreibungen kann unter anderem damit erklärt werden, dass die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Es sind also auch mehr Arbeitnehmer potentiell arbeitsunfähig.

Zudem sind die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) fürs Krankengeld allein im vergangenen Jahr deutlich von 8,5 auf 9,2 Milliarden Euro gestiegen. Die höheren Krankengeldkosten der GKV seien unter anderem auf einen Anstieg der psychischen Erkrankungen zurückzuführen, so Grünhagen. Psychische Erkrankungen hätten tendenziell einen längeren Verlauf, sodass die Krankenkassen das Krankengeld zahlen müssten.

In mehr als 80 Prozent der Fälle konnten die MDK-Begutachter die von den Ärzten bescheinigte Arbeitsunfähigkeit bestätigen. Es sei daher nicht gerechtfertigt, von einer Vielzahl von Ablehnungen zu sprechen, so der MDK.

Der Geschäftsführer des Medizinischen Diensts, Peter Pick, sagte, die Quote der beanstandeten Fälle von Arbeitsunfähigkeit sei seit Jahren konstant. Die MDK-Ergebnisse sprächen dafür, dass die Begutachtungen sorgfältig und nach einheitlichen Kriterien durchgeführt würden. „Diese Fakten bieten für überzogene Interpretationen keinen Anlass.“

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