Arbeitsmarkt

Besondere Fähigkeiten: IT-Unternehmen suchen Autisten als Programmierer

Software-Unternehmen stellen vermehrt Arbeitnehmer mit Asperger-Syndrom ein. Ihre besonderen Fähigkeiten helfen beim Bearbeiten langer Zahlenreihen und großer Datenbanken. Ihre hohe Konzentration über viele Stunden ist für die Unternehmen nützlich.

Das Erkennen von Mustern und das Aufspüren von Programmierungsfehlern sind Fähigkeiten, die sich Unternehmen noch mehr zunutze machen wollen. (Foto: Flickr/Marjan Krebelj)

Das Erkennen von Mustern und das Aufspüren von Programmierungsfehlern sind Fähigkeiten, die sich Unternehmen noch mehr zunutze machen wollen. (Foto: Flickr/Marjan Krebelj)

Der Softwarehersteller SAP will bis zum Ende des Jahrzehnts 650 Menschen mit Autismus einstellen. Der DAX-Konzern will sie als Softwaretester, Programmierer und Spezialisten für Datenqualitätssicherung einsetzen. Einerseits will SAP dadurch an seinem Image als sozialer Arbeitnehmer arbeiten. Andererseits stellt sich die Frage, ob hinter der Ankündigung auch kaufmännische Überlegungen stecken.

Friedrich Nolte vom Verein Autismus Deutschland will die Ankündigung genau beobachten. „Wir werden sehr genau drauf aufpassen, dass sie diese Ankündigung auch wahr machen und dass sie diese Arbeiter nicht ausbeuten“, sagte er der britischen Tageszeitung The Guardian. Die Aktion werde aber generell begrüßt.

In Indien und Irland sind bereits elf Arbeitskräfte mit Autismus in SAP-Betriebe integriert.

Menschen mit Autismus leiden an einer angeborenen, unheilbaren Wahrnehmungs- und Informationsstörung des Gehirns. Zum einen fällt es Autisten schwer, sich in sozialen Situationen angemessen zu verhalten und zu kommunizieren. Zum anderen zeichnet sich die Abweichung bei der Informationsverarbeitung von Autisten dadurch aus, dass sie besondere Stärken bei Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Konzentration und Intelligenz ausbilden können.

Innerhalb von IT-Unternehmen können diese besonderen Fähigkeiten sehr nützlich sein. Der Blick fürs Detail kann dabei helfen, Fehler in Softwareprogrammen schnell zu finden oder lange Datensätze zu analysieren. Sorgfältigkeit und ein hohes Maß an logischem, rationalem Denken sei „genau das, was die Branche braucht“, sagte Nolte. Er hoffe, dass das Beispiel Schule mache und bald mehr Bewerbungen von Autisten in den Betrieben ernst genommen werden würden.

Bislang sind etwa 20 Prozent der Menschen mit Asperger-Syndrom in einem Unternehmen beschäftigt. Experten schätzen jedoch, dass sich dieser Anteil mit der entsprechenden Unterstützung der Unternehmen verdreifachen könnte. SAP will sogenannte Job Coaches einstellen. Diese Trainer sollen den Mitarbeitern bei der Kommunikation und dem Arbeiten unter Zeitdruck behilflich sein.

Die Initiative, die SAP zusammen mit dem dänischen Unternehmen Specialisterne gegründet hat, soll eine Million Autisten in den nächsten Jahren für die Arbeit in Unternehmen vorbereiten.

Für Autisten bedeutet eine Arbeitsstelle oft eine Steigerung des Selbstwertgefühls. Viele verschweigen ihre Krankheit in ihrer Bewerbung, aus Angst, abgelehnt zu werden. Doch diejenigen, die zu einem Gespräch eingeladen werden, scheitern dann häufig an der sozialen Gesprächssituation.

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